Die kälteste Wüste der Welt

Australien hieß für mich bisher Wärme, sogar Hitze, dass ich aber mal so sehr frieren würde, hätte ich nie gedacht. Aber der Süden im Herbst ist nichts für Weicheier.

Adelaide

Adelaide war niemals eine Sträflingskolonie, sondern wurde von freien Bürgern gegründet. Vielleicht liegt es daran, dass ich es ein wenig … nun ja … ich will nicht zu harsch klingen … langweilig fand. Ich bin mit dem Overland aus Melbourne gekommen. Die Fahrt war eigentlich ganz okay, nur lang, und dann habe ich in einem Hostel in der Nähe der Innenstadt geschlafen. Das war auch wirklich ganz nett (wobei: Wann ist es eigentlich aus der Mode gekommen, andere Menschen zu grüßen, wenn man in die Gemeinschaftsräume eines Hostels kommt? Ich werd alt).

Am nächsten Tag bin ich zur Northern Terrace gelaufen, wo die State Library von South Australia ist, deren einer Flügel ein bisschen aussieht wie Hogwarts. Ansonsten sind hier noch die Museen, aber irgendwie interessieren mich bei all der wunderschönen Landschaft Museen momentan nicht so. Stattdessen bin ich noch in den Botanischen Garten gegangen (kenne ich jetzt eigentlich alle Botanischen Gärten hier???), und habe die Sonne genossen. Sonne ja, aber es war trotzdem kalt. Wunderbar waren aber die Rosakakadu-Schwärme, die ständig am Himmel zu sehen waren.

Ein weiteres Highlight war das marokkanische Restaurant El Riad (obwohl mich der Name ja verwirrt hat, muss ich gestehen, bis ich gegoogelt habe, dass ein Riad ein Haus ist und nichts mit der saudischen Hauptstadt zu tun hat). Die Tajine war soooo gut und dann wurde mir noch duftendes Rosenwasseröl (oder so) auf die Hände gesprüht und ich war im siebten Himmel.

Kangaroo Island

Ich hatte keine Ahnung, dass es die Känguru-Insel gibt, aber dann habe ich sie auf der Karte im Lonely Planet gesehen und wusste, da muss ich hin. Da ich aber keine Lust auf eine Tour hatte, hab ich mir für zwei Tage ein Auto gemietet. Geschlafen habe ich in einem Hostel nahe der Fähre in Penneshaw.

Der Mietwagentyp hat mir ein paar Tipps gegeben, was ich mir angucken kann und was zu beachten ist, etwa, dass man besser nicht im Dunkeln fährt, weil dann die ganzen nachtaktiven Kängurus unterwegs sind. Leider sieht man an den Straßen auch, dass viele ihr Leben lassen müssen.

Am ersten Tag habe ich mich auf die Suche nach Kängurus gemacht und auch welche gefunden. Siehe Video hier. Es war so großartig, sie in der Natur zu sehen. Ich hatte schon das ein oder andere Känguru auf der Zugfahrt gesehen, aber sooo viele noch nicht. Und es war so ein toller Anblick! Ich hätte Stunden hier bleiben können. Ich konnte teilweise auch ganz nah ran, ohne, dass sie weggehüpft wären. Aber manchmal auch nicht, wie man auf dem Video sehen kann.

Danach bin ich zur Seals Bay gefahren, hier lebt die größte Kolonie australischer Seelöwen. Man kann zwei Touren machen. Einmal kann man alleine über die Holzpfade laufen, kommt dann aber im Zweifelsfall nicht so nah an die Tiere heran, weil sie sich ja nun mal aussuchen, wo sie liegen wollen. Und dann gibt es noch eine geführte Tour mit der man bis an den Strand kann. Ich habe beides gemacht und muss sagen, dass an dem Tag für mich die Holzpfade die bessere Option waren, weil sie ganz nah an mich rangekommen sind. Es war auch cool, am gleichen Strand zu stehen, wie die Seelöwen, aber besser gesehen hab ich auf der Holzpfad-Tour.

Und dann bin ich noch zum Flinders Range National Park gefahren. Der Mietwagentyp hatte gesagt, dass man hier Koalas sieht. Hab ich aber nicht. Aber man muss sowieso am Besucherzentrum stoppen, denn man muss sich ein Ticket für den Park kaufen, um zum Admiral’s Arch und den Remarkable Rocks zu kommen. Am Admiral’s Arch leben auch neuseeländische Robben, die auf den Felsen in der Sonne liegen. Den Bogen an sich fand ich jetzt nicht so spektakulär, aber es war lustig, die Robben zu zählen. Ob ich alle gesehen habe? Ich glaube nicht. Mama war der bessere Robben-Finder.

Die Remarkable Rocks sind eine Ansammlung von merkwürdig geformten Steinen, die echt cool aussehen. Natürlich musste ich davon auch Fotos machen. Und dann war es schon nach vier und ich war hundertachtzig Kilometer von meinem Hostel entfernt. Und ich sollte doch nicht im Dunkeln fahren … Habe ich dann aber trotzdem, weil es nicht anders ging. Aber dann nur noch mit fünfzig, statt hundertzehn, und ich hab die ganze Zeit gebetet, dass mir kein Känguru – oder was anderes – vors Auto hüpft. Gott sei Dank war das auch nicht so. Als ich vor dem Hostel geparkt habe, sind mir ganze Felsbrocken vom Herzen gefallen. Ich hätte einfach nicht dafür verantwortlich sein wollen, eines dieser wunderbaren Tiere umzubringen.

Am nächsten Tag war ich dann nach in Kingscote, dem größten Ort der Insel, und habe dort jede Menge Meeresfrüchte gegessen. Ups. Außerdem war ich noch an der Stokes Bay. Hier gibt es einen versteckten Strand. Um diesen zu erreichen muss man durch eine Art Tunnel krabbeln, und wird dafür mit einem Strand belohnt, der unglaublich schön ist. Weißeren, feineren Sand habe ich auf der ganzen Reise noch nicht gesehen. Die Strömung ist ziemlich stark, aber es gibt einen natürlichen Felsenpool, in dem man schwimmen kann, wenn es nicht furchtbar kalt ist.

Alice Springs

Mit der Fähre ging es zurück zum Festland (plus spielende Delfine) und dann zum Flughafen. Es sollte ins rote Herz des Kontinents gehen, nach Alice Springs. Ging es auch. Nach einem kurzen Flug bin ich in meinem Hostel angekommen, das wirklich schön ist, wenn auch angelegt für warmes Wetter. Und das ist wirklich gemein, denn es ist … kalt. Okay, tagsüber, wenn die Sonne scheint, kann man es aushalten, aber morgens ist es sechs Grad. Und ich hab nur meine Fleecejacke und keine lange Hose.

Warum ich weiß, dass es morgens um sechs nur sechs Grad warm ist? Weil ich mit Emu Run eine Tour zum Uluru gemacht habe (früher Ayers Rock genannt, aber seit das Land wieder den Aborigines gehört, wird er Uluru genannt, was Ularoo ausgesprochen wird). Ich wollte eigentlich ja keine soooo langen Touren mehr machen, aber die andere Alternative wäre gewesen, einen Wagen zu mieten und im völlig überteuerten Ayers Rock Resort zu schlafen. Oh, man hätte auch eine 3-Tages-Tour machen können, aber da war Camping inklusive und das wollte ich nicht. Ich schlaf lieber in einem Bett.

Auf dem Weg kommt man am Mount Conner vorbei, der ebenfalls rot und groß ist. Da viele diesen Berg für den Uluru gehalten haben, wird er auch Fooluru gennant. Anders als der Uluru, der ein Monolith ist, ist dieser Berg ein Tafelberg. Viele sind offensichtlich darauf hereingefallen und mussten dann erkennen, dass sie nicht den Real Deal gesehen haben.

Dann waren wir bei den Kata Tjuta, die eine heilige Stätte der Anangu sind, das ist der Stamm, dem das Land jetzt wieder gehört. Wir haben eine kleine Tour gemacht, die ganz nett war. Und dann kamen wir zum Uluru, der schon ziemlich beeindruckend ist. Die rote Farbe ist übrigens Rost, oxidiertes Eisen.

Man kann den Berg immer noch besteigen, obwohl die Anangu darum bitten, ihre heilige Stätte nicht zu besteigen. Leider gibt es immer noch viele, die es tun. Etwa zwanzig Prozent der Touristen tun es. Ich kann das nicht verstehen. Es gibt Pläne, es im nächsten Jahr zu verbieten und ich find das wirklich gut.

Wir sind den Mala Walk gelaufen und zum Mutitjulu Waterhole und Emily, unser Tourguide, hat uns viele tolle Geschichten erzählt. Es ist schon beeindruckend, wie sehr die Kultur der Aborigines mit der Erde verwoben ist. Die Tour endete an der Sunset Viewing Area, aber leider waren Wolken im Weg, weswegen wir das Farbenspiel nicht sehen konnten. Aber der Sekt und das Barbecue waren auch toll.

Von Alice Springs geht es für mich nach Perth und dann hoffe ich, dass es endlich warm sein wird!

Meine Top 5 in Melbourne

Über meine erste Woche in Melbourne habe ich hier schon berichtet. In der zweiten Woche habe ich viel geschrieben, daher nicht soooo viel gemacht, aber natürlich gibt es noch ein paar Dinge, die ich erlebt habe. Um nicht einfach nur einen zweiten Bericht über Melbourbe zu verfassen, gibt es mir meine persönliche Top 5, was ich in Melbourne gemacht habe. Ohne internes Ranking.

Nummer 1: Miss Fishers Haus


Eine meiner liebsten Serien ist Miss Fishers mysteriöse Mordfälle, die auf Netflix läuft. Ich hab keine Ahnung, warum die Serie bisher keinen Kultstatus hat, weil sie einfach großartig ist. Die Serie spielt nach dem ersten Weltkrieg in Melbourne. Phryne Fisher trägt Hosen, fährt Auto, fliegt Flugzeuge, hat Selbstbewusstsein für zehn Frauen und hat eine Detektei. Sie ist eine feministische Ikone, die man nur bewundern kann.

Die Serie wird in Melbourne gedreht und ist eine der teuersten Serien, die jemals in Australien gedreht wurde. Leider nur drei Staffeln. Ein offizielles Ende wurde, soweit ich weiß, nicht verkündet, aber die Schauspielerin ist mit ihrem Mann nach England gezogen, weswegen zumindest vorläufig Pause ist. Ich hoffe, es bleibt nicht dabei.

Jedenfalls kann man das Haus besuchen, in dem Phryne in der Serie lebt. Besuchen im Sinne von von außen ansehen. Das Haus steht im Norden der Stadt, in Parkville (114 Park Drive). Mein Fangirl-Herz hat höher geschlagen.

Nummer 2: Philips Island

Wenn man keinen Mietwagen hat, sind organisierte Touren immer eine gute Idee. Zwar ist man immer ein wenig unflexibel, aber dafür sieht man alles. Ich habe eine Tour mit Autopia gemacht, die nicht nur zur Pinguin Parade, sondern auch noch zum Maru Koala Park und den Nobbies führte.

Unser erster Stop war der Koala Park. Ich bin immer ein wenig hin- und hergerissen, was solche Parks und Zoos angeht. Zum einen gehe ich total gerne, weil man da die Tiere auf jeden Fall sieht, zum anderen finde ich es aber viel schöner, wenn man Tiere in ihrer natürlichen Umgebung sehen kann. In diesem Park sind alles verletzt gefundene Tiere, es gibt ein Tier-Krankenhaus und viele der Tiere werden auch wieder ausgewildert, wenn sie gesund sind. Einige bleiben allerdings auch für immer. Wirklich gut fand ich, dass die Tiere große Gehege hatten, zumindest die Kängarus und die Dingos. Koalas brauchen ja nicht so viel Platz, nur genug Futter.

Man konnte in das Känguru-Gehege reingehen und graue Kängurus füttern. Ihre Zähne haben dabei so lustig über die Handfläche geschabt. Das war wirklich ein tolles Erlebnis, auch wenn ich solche Dinge immer auch ein wenig skeptisch sehe. Mein persönliches Highlight war die kleine Poppy, ein viermonatiges Wallaby-Baby, das ich gerne mit nach Hause genommen hätte.

Danach waren wir in den Nobbies (sagt man das so?). Hier gibt es ein Informationscenter und die bieten in Zusammenarbeit mit dem WWF die Antarctic Journey an. Es war in meinem Ticket enthalten, was ich nicht wusste, worüber ich aber sehr froh bin. Denn es war wirklich toll. Der erste Teil ist jede Menge Infos, aber Infos zum Anfassen sozusagen. Zum Beispiel konnte man in eine  Eiskammer, in der simuliert wurde, wie kalt es in der Antarktis ist. Ich bin schnell wieder rausgegangen. Außerdem konnte man sich verschiedene Dinge unter dem Mikroskop ansehen (Federn und Gestein) und es gab auch eine interaktive Tafel, an der man herausfinden konnte, ob seine Lieblingsfischspeisen nachhaltig sind oder nicht.

Der zweite Teil bestand aus ganz vielen, riesigen Monitoren, die eine Vielzahl an Videos über das Leben in der Antarktis zeigten. Das war auch wirklich beeindruckend. Schön war auch die Wal-Orgel, die man „spielen“ konnte und dann hörte man die Sounds verschiedener Wale. Minkwale haben lustige Gesänge.

Neben diesem Center gibt es noch Holzpfade die Klippen entlang und wenn man Glück hat, sieht man Seelöwen, die auf einem Felsen vor der Küste ihr Domizil haben. Ich hatte kein Glück. Das Highlight der Tour war dann aber die Pinguin-Parade, also, so wurde das vermarktet. Mein Highlight war ja Poppy. Jedenfalls leben auf Philips Island 35.000 Zwergpinguine, die abends zurück in ihre Bauten krabbeln. Manchmal kommen dreitausend an einem Strand an.

Bei mir waren es jetzt nicht so viele, aber zwei- oder dreihundert waren es bestimmt. Es sah so lustig aus, wie sie von den Wellen an den Strand gespült wurden und dann schnell los watschelten. Sie sind einfach süß. Aber es war so furchtbar kalt. Auf dem Rückweg kam es dann auch noch zu einem Penguin Crossing, da zwei auf der falschen Seite der Straße gelandet sind. Dazu mussten wir alle hinter die weiße Linie zurück und dann sind die beiden winzigen Pinguine über die Straße gewatschelt. Es war einfach so süß.

Nummer 3: Bootsfahrt auf dem Yarra

Ich liebe das Wasser und Bootsfahren und daher war klar, dass ich noch eine Bootstour machen würde. Man kann zwei Touren á eine Stunde machen oder diese auch kombinieren. Ich hab beide gemacht, würde aber nur die zu den Docklands empfehlen, weil man mehr sehen kann. Die andere führt am botanischen Garten entlang, aber den kann man besser zu Fuß erkunden.

Melbourne ist auf jeden Fall eine Stadt im Wandel. Die Docklands waren mal alles Lagerhäuser, aber mittlerweile ist zumindest die eine Seite Restaurants, Cafés und Wohnhäusern gewichen. Man hatte auch einen schönen Blick auf die Innenstadt und die West Gate Bridge, die höher als die Sydney Harbour Bridge ist (oder länger? Jedenfalls eins von beidem). Und das war auch Absicht, denn die Rivalität der beiden Städte besteht schon lange.

Nummer 4: Eureka Skydeck


Zwar hätte ich es schöner gefunden, wenn man nicht hinter Glas gewesen wäre, aber es war schon cool, die Stadt von hoch oben zu sehen. Hier mein Bericht.

Nummer 5: Great Ocean Road


Auch, wenn es technisch gesehen nicht zu Melbourne zählt, war diese Tour sehr cool. Auch, wenn ich empfehlen würde, sie mit dem eigenen Auto oder Mietwagen zu machen. Mehr dazu hier.

Von Melbourne aus ging es für mich mit dem Overland nach Adelaide.

Annie allein in Australien …

Es war von Anfang an klar, dass es passieren würde, aber es war doch sehr traurig, als Mama abreisen musste.

Sydney

Aber zunächst hatten wir noch drei wunderschöne Tage zusammen. Wir kamen um 12 Uhr mittags am Flughafen an, nahmen ein Taxi zum Hotel, brachten unser Gepäck ins Zimmer, fuhren zur Dachterrasse, sahen, dass wir nur zwei Meter von der Oper entfernt waren (so ungefähr) und Mama beschloss, dass wir eine Hafenrundfahrt machen würden. Eine, die um 14.15 starten würde. Also machten wir uns rasch auf den Weg zum Circular Quay und haben es tatsächlich noch rechtzeitig geschafft. Das Wetter war toll und wir saßen zwei (oder drei???) Stunden in der Sonne, fuhren an der Oper vorbei und an Mrs Macquaries Point, am Marinehafen, an all den teuren Bezirken, in denen Hugh Jackman und Nicole Kidman ihre Besitztümer haben, bis hin zum Ozean.

Weil wir Glückskekse sind, haben wir Delfine gesehen, aber keine Haie. Und das obwohl es Haie im Hafen gibt. Die Legende besagt, dass die Europäer erst dafür gesorgt haben, dass sie hier schwimmen, da sie an den Ufern Schlachthäuser errichtet haben und die Abfälle ins Wasser kamen. Und mit dem ganzen Blut eben auch die Haie. An manchen Stränden sind daher Hainetze angebracht.

Am nächsten Tag sind wir mit dem Bus von Free Tours Sydney gefahren, der 18 Dollar kostet. Die Tour startet am Hyde Park, wo jede Menge Ibisse über die Wiesen stolzieren. Ich hatte ja keine Ahnung, dass es diese Vögel auch in Australien gibt. Irgendwie habe ich sie immer nur mit Nordafrika in Verbindung gebracht. Die Tour führt in drei Stunden bis zum Bondi Beach und zurück und war sehr informativ und lustig. Am berühmtesten Strand Australiens haben wir ein Eis gegessen, bevor wir uns auf den Rückweg machten.

Vom Hyde Park liefen wir zum Botanischen Garten und das erste, was uns begrüßte, waren Kakadus, die am Brunnen getrunken haben. Ich wusste auch nicht, dass hier so viele Kakadus leben! Vielleicht habe ich keinen einzigen Reiseführer für Australien gelesen … Wir saßen in der Sonne, haben gelesen, im Café was getrunken und sind dann bis zur Oper gelaufen für noch ein paar Eindrücke. Die Oper ist gar nicht weiß, so wie ich gedacht hatte, sondern beige, aber trotzdem ist sie beeindruckend.

Der 25. April ist ANZAC Day, der Feiertag für die Streitkräfte. So stelle ich mir Fleet Week in San Diego vor. Überall Männer in Uniform … Und Frauen auch. Wir sind in den Wildlife Zoo gegangen. Wir sind ja immer ein wenig skeptisch, was Zoos angeht, weil uns die Tiere immer so leid tun, wenn sie in viel zu kleinen Käfigen gehalten werden, aber hier waren wir begeistert. Zum einen gibt es nur ein paar Tiere und die Gehege sind wirklich groß. Zu den Kängurus kann man sogar reingehen (also man muss auf einem mit Seil abgetrennten Pfad bleiben, aber es ist kein Glas oder Zaun zwischen einem selbst und den Tieren). Und überall fliegen Zebrafinken, Gouldamadine und Loris herum.

Normalerweise sagt Mama nicht ja, wenn etwas extra kostet. Umso erstaunter war ich über das enthusiastische JA zur Koala-Erfahrung. Man konnte die knuddeligen Bärchen ganz nah sehen, Fotos mit ihnen machen und es war einfach nur großartig. Auch, wenn man sie nicht anfassen durfte, aber das ist wahrscheinlich auch besser für die Tiere. Aber es hat mich doch in den Fingern gejuckt …

Und dann kam der furchtbare Moment, der schlimmste Tag meiner Reise, als ich Mama am Flughafen abliefern musste. Selbst jetzt, eine Woche später, werde ich noch ganz traurig, wenn ich daran denke. Es waren sieben großartige Wochen und sie waren so schnell vorbei. Aber es gibt ja immer eine nächste Reise. Übrigens ist Mama git zuhause angekommen. Vielleicht habe ich die ganze Zeit ihre Flüge in Echtzeit verfolgt. Vielleicht auch nicht.

Melbourne

Am nächsten Tag stieg ich in den Zug nach Melbourne. Zehn Stunden. Eigentlich wollte ich schreiben, aber stattdessen habe ich die ganze Zeit das Hörbuch zu A Court of Mist and Fury von Sarah J. Maas gehört. Ups. Aber jede Fahrt geht einmal vorbei. Gott sei Dank. Ich mag gar nicht an den Rückflug denken, aber ich hab ja noch ein bisschen Zeit.

Jetzt bin ich schon den fünften (oder sechsten?) Tag in Melbourne und finde die Stadt und ihre Umgebung sehr schön. Aber ich fand auch Sydney toll, obwohl ich von vielen gehört habe, dass ihnen Sydney nicht wirklich gefällt. Ich mochte es jedenfalls sehr. Aber zurück zu Melbourne.

Im Lonely Planet gibt es einen Spaziergang durch die Arkaden und die Streetart-Straßen der Stadt. Mein erstes Hotel war ganz in der Nähe. Besonders die Hosier Lane ist auf allen Seiten von Grafitti umgeben, teils einfach nur schreiend bunt, teils echte Kunst, die einem den Atem verschlägt.

Die Arkaden sind ebenfalls sehr interessant und erinnern an das „alte“ Melbourne. Eine meiner liebsten Fernsehserien ist Miss Fishers Murder Mysteries, die in Melbourne nach dem ersten Weltkrieg spielt, und immer wieder fühle ich mich in diese Zeit versetzt. Auch die Flinders Street Station hat mir dieses Gefühl gegeben. Manchmal habe ich das Gefühl, in der falschen Zeit geboren worden zu sein (obwohl, damals hätte ich wahrscheinlich nicht so reisen können), daher fühle ich so eine Verbindung zu den „Roaring 20ies“.

Um die Stadt vom oben zu sehen, gibt es das Eureka Skydeck. Vom 88. Stock kann man die Stadt in all ihrer Schönheit vom Meer bis ins Landesinnere betrachten. Leider ist die Plattform verglast (obwohl man auch The Edge besuchen kann, das im Freien ist), daher kann man keine spiegelungsfreie Fotos machen. Klar, der Wind wäre furchtbar gewesen, aber ich präferiere es, wenn man im Freien ist.

Von dort ging es zum Shrine of Remembrance neben dem botanischen Garten. Von hier hat man auch einen schönen Blick auf die Innenstadt. An dem Tag war es ein kleines wenig diesig, daher war alles nicht ganz klar, aber es war trotzdem ein schöner Ausblick. Durch den botanischen Garten, Birrarung Marr und Fitzroy Gardens bin ich zurück zu meinem temporären Zuhause in East Melbourne gelaufen. Melbourne ist echt grün.

Gestern habe ich noch eine Tagestour zur Great Ocean Road gemacht. Wenn ich gewusst hätte, dass man 600km lang im Bus sitzt, hätte ich das nicht gemacht. Ich mag lieber Touren, in denen man mehr Zeit vor Ort hat und nicht so viel im Bus sitzt. Trotzdem hat sich der Besuch natürlich gelohnt.

Nicht nur die Twelve Apostles und Loch Ard Gorge, auch der Spaziergang durch den Regenwald der gemäßigten Breiten war toll. Hier stehen vor allem Mountain Ash, ein Eukalyptusbaum, der als zweitgrößter Baum der Welt gilt, nach den kalifornischen Redwoods. Wenn sie älter werden, höhlen sie oftmals aus und es gibt eine Legende, das es die Fruchtbarkeit steigert, wenn Frauen durch den hohlen Stamm laufen. Ich hab es nicht ausprobiert.

Aber die Shipwreck Coast war natürlich das absolute Highlight. Die Steinformationen sind zwar nur Felsen, aber irgendwie üben sie eine besondere Faszination aus. Da dies die größten Attraktionen Victorias sind, kann man sie nur mit seinen engsten fünfhundert asiatischen Freunden besuchen. Vielleicht wenn man frühmorgens da ist, ist es anders, aber kurz vor Sonnenuntergang war es sehr voll.

Und ich habe meine ersten beiden Koalas in der „Wildnis“ sehen! Okay, es sind nur Koala-Suchbilder, aber das war wirklich cool! Leider kein Schnabeltier, Ameisenigel oder Känguru, aber das kommt – hoffentlich – noch. Nach drei Stunden Rückfahrt konnte ich meine Beine nicht mehr fühlen …

Fotos und Videos finden sich hier.