Westaustralischer Roadtrip, Teil 2

Direkt nach dem Schnorcheln mit den Mantarochen bin ich dann weitergefahren. Zunächst habe ich wieder in Carnarvon übernachtet, bevor es dann nach Shark Bay ging. Leider war das Wetter auf dem Hinweg nicht so toll. Auch am nächsten Tag nicht, weswegen es alles ein wenig bedrückend war. In einem Ort, der vom Wasser lebt, gibt es an Regentagen nicht so viel zu tun.

Shell Beach

Trotz Nieselregens habe ich einen kurzen Abstecher zum Shell Beach gemacht. Der Strand besteht aus Millionen von kleinen Herzmuscheln, die hier angespült werden. Wenn die Sonne scheint ist es so gleißend hell, dass man nur mit Sonnenbrille überlebt – wurde mir gesagt. Ich persönlich kann das nicht bestätigen. Dass Wasser hier ist doppelt so salzig wie der Ozean, weil zwar Wasser in die Bay fließt, aber nur wenig hinausfließt, und es kaum regnet.

Außerdem hat das Wasser diese krasse türkise Farbe, die einen dazu verführt, sofort reinzuspringen. Wenn das Wetter gut ist. Daher konnte ich mich doch noch zurückhalten.

Denham

Shark Bay ist ein Weltnaturerbe der UNESCO, und als eine der wenigen Stätten der Welt erfüllt sie alle vier Kriterien: überragende Naturerscheinung, Hauptstufen der Erdentwicklung, in Gang befindliche Evolution und bedeutende Lebensräume für die Artenvielfalt. Für die Shark Bay bedeutet das: die Stromatoliten in Hamelin, die riesiegen Seegrasfelder, die die größten der Welt sind, die Heimat für fünf bedrohte Meerestierarten und 10.000 Seekühe, ein Zehntel der gesamten Weltpopulation. Dementsprechend gibt es auch nur wenige Orte hier, der „größte“ ist Denham mit den meisten Unterkünften. Aber groß und groß sind zwei ganz verschiedene Dinge.

Wenn es regnet, kann man hier nicht so besonders viel machen, da eigentlich alles unter freiem Himmel ist. Allerdings kann man in den Ocean Park, etwa zehn Kilometer südlich von Denham fahren. Hier gibt es mehrere Becken, in denen verschiedenen Meeresbewohner der Region leben. Manche der Becken waren sehr klein und ich war darüber nicht sehr glücklich, andere Becken waren richtig groß und haben mich ein wenig versöhnt. Am interessantesten ist wohl die Haifütterung. Hier gibt es mehrere Zitronenhaie (ja, der Name hat mich auch gewundert!), die größte heißt Linda (glaube ich). Mit einer Art Angel, an der ein Fisch hängt, werden sie gefüttert. In dem Becken sind auch noch andere Fisch, aber da sie gesund und zu schnell sind, fressen die Haie sie nicht.

Und dann gibt es hier noch das Old Pearlers Restaurant. Das Gebäude ist das meistfotografierte des ganzen Ortes, weil es aus Coquina besteht, gepressten Muscheln aus Shells Beach. Diese werden so fest, dass sie zu Stein werden und geschnitten werden können. Das ganze Haus besteht aus diesen Blöcken und ist wohl das einzige Restaurant weltweit, das nur aus Coquina besteht (hauptsächlich zumindest, denn Türrahmen und Fenster bestehen aus Holz). Außerdem ist es das westlichste Restaurant in Australien. Westlicher ist dann Südafrika.

Monkey Mia

Zweimal war ich in Monkey Mia, denn am ersten Morgen sind die Delfine einfach nicht aufgetaucht. Es soll nur vier Tage jährlich geben, an denen sie nicht kommen, das war echt Pech. Was aber wohl mit dem schlechten Wetter zusammen hing.

Jedenfalls hatte ich dann am nächsten Tag Glück. Vorab war ich mir nicht sicher, ob ich das überhaupt mögen würde. Delfine sehen ist immer toll, aber wenn das ganze so megatouristisch ist, frage ich mich immer, wie gut das für die Delfine eigentlich sein kann. Vor Ort muss ich aber sagen, dass es weniger schlimm war, als ich befürchtet hatte (klar, es waren jede Menge Touristen da). Die Delfine kommen schon seit Jahrzehnten an diesen Strand, und durch die Ranger und die ganzen Regeln werden die Tiere tatsächlich geschützt. Sonst würde wahrscheinlich jeder ins Wasser springen und versuchen, die Tiere anzufassen. Zugegeben: Sehr verlockend!

Man darf mit den Füßen im Wasser stehen in einer Reihe, während die Delfine (je nach Tag mal einer, mal zehn) durch die Bucht schwimmen. Mal kommen sie ganz nah, mal sind sie weiter weg, wie sie das eben machen wollen. Da kann – Gott sei Dank! – kein Einfluss drauf genommen werden. Ob das Füttern wirklich sein muss, wage ich zu bezweifeln, obwohl uns gesagt wurde, dass dadurch etwa eine Delfindame mit Antibiotika versorgt werden konnte, die bei einem Haiangriff den Kopf aufgerissen hatte. Es dürfen auch nur fünf bestimmte Delfine gefüttert werden und auch nur maximal zehn Prozent des Tagesbedarfs. Vielleicht würden sie nicht mehr kommen, wenn es keine Fische gäbe, aber es kommen ja auch manchmal mehr Delfine als nur die fünf. Ich weiß es nicht.

Und dann habe ich noch eine Nature Cruise gemacht, um die Seekühe zu besuchen. Leider haben sie sich nicht sehen lassen, dafür haben wir aber noch mehr Delfine getroffen, die auf der Bugwelle des Bootes geritten sind (sagt man das so? Auf Englisch heißt es „riding the bow“). Da das Wetter wieder besser war, war es trotz allem ein schöner Ausflug.

Allerdings musste ich mich danach sputen, denn der Weg nach Kalbarri war lang. Weswegen ich dann auch keine Zeit hatte, auf dem Rückweg die Stromatoliten in Hamelin anzusehen.

Kalbarri

Ich kann Regen nicht ausstehen. Kein bisschen. Morgens bin ich zur Pelikanfütterung gegangen, wo ein Sonnensegel gespannt ist, sodass man wenigstens ein kleines bisschen vor Regen geschützt ist (ich hab ja meine Regentage mit Mama nach Hause geschickt, weil es in Australien ja nie regnet). Drei Pelikane, zwei Weibchen und ein Männchen, sind gekommen und es war ziemlich lustig zu sehen, wie sie sich mit den Möwen um die Fische gestritten haben, die die Kinder mehr schlecht als recht geworfen haben. So ein Pelikan kann ganz schön groß werden. Ganz besonders sieht man das, wenn sie so nah kommen. Ich war froh, dass ich weiter weg stand. Die Schnäbel sehen beängstigend aus!

Danach bin ich zu den Meeresklippen des Kalbarri Nationalparks gefahren. An den meisten Aussichtspunkten hatte ich Glück, und es hat nicht geregnet, während ich die kurzen Wanderwege gegangen bin. Einmal bin ich ziemlich nass geworden, aber ich habe es so gerade überlebt.

Dann war ich noch im Rainbow Jungle, einem Vogelpark, das angeblich das beste in ganz Australien ist. Sehr schön fand ich den großen „Käfig“, durch den man auch durch laufen konnte. Ein Papagei hat sich auf meinen Arm gesetzt, was ich auch immer gut finde. Aber manche Käfige waren auch sehr klein und wenn dann da nur ein Vogel drin saß, war das schon ganz schön traurig.

Am nächsten Tag schien dann wieder die Sonne und ich machte mich auf den Weg zu den Schluchten des Kalbarri Parks. Die berühmteste ist wohl am Nature’s Window, einer Felsformation, die ein Loch bildet, durch das man die beeindruckende Schlucht sehen kann. Hier musste man ein wenig „klettern“ und ich muss gestehen, dass ich froh war, dass so viele Menschen um mich herum waren. So ganz alleine am Rand einer Schlucht entlang zu laufen, wäre mir dann doch zu mulmig gewesen. Obwohl ich es trotzdem gemacht hätte. Ich wollte ja das Fenster sehen.

Auch die Z-Kurve (Z-Bend) war sehr schön anzusehen. Hier konnte man richtig die ganzen Gesteinsschichten sehen und wie der Fluss sich dadurch gegraben hat. Danach habe ich mich auf den Weg nach Horrocks gemacht, was angeblich einer der schönsten Strände Australiens sein soll.

Hutt Lagoon/ Pink Lake

Unterwegs bin ich noch mal an der pinken Lagune vorbei gekommen und dieses Mal war sie richtig pink. Außerdem war es auch absolut windstill, weswegen das Wasser wie ein Spiegel war. Leider habe ich keinen Punkt gefunden, von dem aus man richtig nah ans Wasser kam und am Aussichtspunkt ist es nicht so pink, wie an anderen Stellen, die man aus der Ferne sehen kann. Aber es ist auf jeden Fall sehr cool.

Horrocks

Vielleicht liegt es daran, dass ich in einem abgehalfterten Wohnwagenpark geschlafen habe, aber irgendwie konnte mich dieser Ort nicht so wirklich bezaubern. Der Strand war nun auch nicht so wunderschön, daher war es okay, hier nur eine Nacht zu schlafen und nach Perth weiter zu fahren.

Perth

Der letzte Stopp meines Roadtrips war dann Perth. Ich hatte vorher gehört, dass die Stadt nicht so super schön sein soll und man lieber in Fremantle bleiben sollte (was ich ja am Anfang des Trips tat), aber ich muss sagen, dass ich sie sehr schön fand. All die kleinen Cafés und die hübschen Straßen … Es wäre auf jeden Fall eine Stadt zum Leben. Obwohl ich sagen muss, dass ich mir nicht so viel angeschaut habe, denn nach zwei Wochen Action brauchte ich ein paar Tage Ruhe.

Am letzten Tag war ich noch im Perth Aquarium und von allen Aquarien, die ich auf dieser Reise gesehen habe, war dies das beste. Es gab nicht so unglaublich viele Tiere, aber richtig große Becken. Mir hat ganz besonders das Korallenriff gefallen, aber das wird ja niemanden verwundern.

Nicht zu viel, denn im Anschluss ging es nach Darwin, zum Top End.

Wassersport zum Abwinken

Exmouth und Umgebung sind besonders für das Ningaloo Reef bekannt, ein sehr abgeschiedenes Riffsystem, das sich ausgezeichneter Gesundheit erfreut und daher eine Fülle an Lebewesen beherbergt.

Turquoise Bay

Da ich ja dachte, ab Donnerstag wird das Wetter schlecht, bin ich noch am Dienstagnachmittag in den Cape Range Nationalpark gefahren, um in der Turquoise Bay zu schnorcheln. Es gibt hier zwei Stellen, einmal die Bay und einmal den Drift. Da im Reiseführer stand die Bay ist für Anfänger und der Drift für geübte Schnorchler bin ich zuerst zur Bay gegangen. Wirklich. Aber es war so langweilig, das ich beinahe eingeschlafen wäre. Daher habe ich nach fünf Minuten meine Sachen gepackt und bin zum Drift am Strand entlang gelaufen.

Vom Parkplatz aus läuft man etwa zweihundert Meter den Strand hinunter und schwimmt dann etwa dreißig, vierzig Meter hinaus. Die Strömung treibt einen dann an Korallen mit jeder Menge Fischen vorbei. Aber man muss aufpassen und vor der Sandbank „aussteigen“, sonst wird man auf das Meer hinausgezogen. Angeblich haben andere Schnorchler eine Schildkröte und einen Hai gesehen, aber ich glaube, die wollten mich nur ärgern.

Ich hab beides nicht gesehen, dafür aber eine Vielzahl an Fischen. Und da die Korallen knapp unter der Wasseroberfläche sind, hat mein Schnorchelherz schneller geschlagen. Hier sind aber vor allem harte Korallen zu sehen, die meist nur braun und grün sind. Die farbenfrohen weichen Korallen sind hier nicht zu sehen.

Walhai-Tour

Diese Tour hat einen Traum erfüllt, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich ihn habe. Oder erst seit ich im Lonely Planet vom Ningaloo Reef gelesen habe. Seitdem wusste ich, dass ich UNBEDINGT eine Walhai-Tour machen musste.

Es ging mit dem Minivan zum Anleger und dann mit einem kleinen Tenderboot zum eigentlichen Boot. Wir wurden mit Neoprenanzügen, Flossen und Co. ausgestattet und dann ging es zum ersten Schnorchelspot. Dieser dient vor allem zur Übung, denn später muss alles schnell-schnell gehen. Das beste an diesem Spot? Ich habe meine erste Schildkröte gesehen und es war sooooo wunderbar. Sie schwimmen so lustig durch die Gegend und irgendwie erinnern sie mich immer an Dori „einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen“ (ja, ich weiß, dass die eigentlich Schildkröten in Findet Nemodie coolen Dudes sind). Jedenfalls war der Tag für mich damit schon ein Erfolg.

Mit Flugzeugen wird nach den Walhaien gesucht, die zwischen März und Juli (glaube ich) in der Region sind. Wenn ein Walhai gesichtet wird, macht sich das Schiff auf den Weg dort hin. Diese größten Fische der Welt sind wild und machen natürlich, was sie wollen. Daher muss es schnell gehen. Wenn man nah dran ist, müssen alle schnell ins Wasser. Wenn man einen „guten“ Walhai hat, schwimmt er langsam vor sich hin, sodass man neben ihm schwimmen und ihn bewundern kann. Wenn man einen „schlechten“ hat, dann taucht er ab. Kaum waren wir das erste Mal im Wasser, war der gesichtete Walhai weg. Und dann ging es wieder ins Boot zurück. Bis er wieder auftauchte. Schnell zurück ins Wasser, aber dieses Mal war er so schnell, dass ein paar nur die Schwanzflosse gesehen haben und andere nichts. Ebenso beim dritten Mal. Jeder dieser Ausflüge ins Wasser dauerte zwei, drei Minuten.

Und das ist auch das, was mir persönlich nicht so gut gefallen hat. Es war einfach so hektisch. Was ich am Schnorcheln liebe, ist das Relaxte, dass man sich Zeit nehmen kann, dass man Gucken und Staunen kann. Es war so großartig, als ich beim vierten Mal endlich einen Walhai gesehen habe. Nicht nur kurz, sondern ein paar Minuten lang. Von der einen Seite und von der anderen und von hinten. Sie sind solch wunderschöne und majestätische Tiere und ich bin froh, dass ich die Tour gemacht habe. Aber die ganze Hektik war einfach nicht meins. Ich hätte es schöner gefunden, wenn ich sie einfach irgendwann mal am Riff gesehen hätte (sehr unwahrscheinlich, weil sie nicht mal in der Nähe des Riffs waren, und ich sie daher nie zufällig gesehen hätte) und dann wäre ich zufrieden gewesen (Fotos mit freundlicher Genehmigung von Sean von Exmouth Diving Center. Ich selber habe keine Fotos gemacht, weil das noch mehr Stress zu der ganzen Sache hinzugefügt hätte und ich wusste ja, dass ich nachher die Fotos vom Fotografen bekomme).

Muiron Islands

Am Donnerstag hat es doch nicht gewittert, weswegen ich noch zu einer Tour zu den Muiron Inseln aufgebrochen bin. Diese Inseln gehören auch zum Ningaloo Reef, haben aber weiche Korallen und sind daher sehr farbenprächtig. Das einzige Problem war, dass es sich eigentlich um einen Tauchtrip gehandelt hat. Ich war die einzige Schnorchlerin an Bord. Sie haben also die Spots danach ausgewählt, wo es sich am besten Tauchen lässt und nicht danach, wo die Korallen an der Wasseroberfläche sind. Von der Farbenpracht konnte ich also nichts sehen, was ich schade fand.

Ich bin an drei Stellen geschnorchelt, aber jedes Mal waren die Korallen teilweise bis zu zehn Meter unter mir, weswegen ich nicht sooo viel gesehen haben. Das fand ich schade.

Für mich muss ich also festhalten, dass ich nicht mehr mit Tauchtrips rausfahre. Die sind mit Sicherheit super für Taucher, aber wenn man Schnorcheln will, eher ungeeignet.

Trotzdem war der Tag schön, weil wir gutes Wetter hatten, Seekühe vom Boot aus gesehen haben und an Bord Burger gegrillt wurden.

Coral Bay

Wenn Exmouth schon klein ist, ist Coral Bay kaum existent. Es gibt nur eine einzige Straße und die führt, Gott sei Dank, zum Strand. Da die Fahrt nur anderthalb Stunden dauert, war ich schon um halb elf da und bin dann sofort Schnorcheln gegangen, denn hier kann man sofort vom Strand aus Schnorcheln. Und ich habe noch nie solch wunderschöne Korallen gesehen. Es sind Cabbage Corals (Kohl Korallen, wobei ich nicht weiß, ob man sie auf Deutsch auch so nennt) und sie sind wie ein Blumenbouquet im Wasser. Blöderweise habe ich meine Kamera nicht mit ins Wasser genommen und war dann auch zu faul, sie noch mal holen zu gehen, daher habe ich keine Fotos von diesen, aber am nächsten Tag konnte ich noch welche an anderer Stelle machen, obwohl sie nicht ganz so riesengroß und wunderschön wie an dieser Stelle waren.

Mantarochen-Tour

Neben den Walhaien, die man auch in Coral Bay besuchen kann, gibt es noch eine weitere Attraktion, nämlich die Mantarochen. In Coral Bay gibt es etwa vierzig Rochen, die das ganze Jahr über da sind, und bis zu tausend, die saisonal kommen und gehen. Es ist also ein guter Spot, um diese Giganten zu Gesicht zu bekommen.

Die Tour startet auch mit einem kleinen Schnorcheltrip, aber dieser hatte es in sich. Denn es ging zum Außenriff zu einer sogenannten Putzerstation. Hier lassen sich große Fische von kleinen Fischen pflegen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass zwei Riffhaie auftauchten und sich die Zähne putzen ließen. Nein, wirklich. Sie haben das Maul aufgemacht und kleinen Fische sind hin und her geflitzt, um die vielen Zähne von altem Fleisch und ähnlichen zu befreien. Auch die Haut wird von Schmutz und Parasiten befreit. Das war so schön anzusehen. Außerdem haben wir noch eine Schildkröte gesehen, was den Trip schon am Anfang zum Erfolg werden ließ.

Kaum waren wir fünf Minuten an Bord, vermeldete das Flugzeug die Sichtung eines Mantas. Wir hatten kaum genug Zeit für unser Briefing, aber es sollte eigentlich ähnlich sein, wie bei den Walhaien. Rein ins Wasser, wenn der Rochen fort ist, wieder ins Boot, dann wieder suchen, rein ins Wasser und so weiter. Nachdem uns das erklärt wurde, dachte ich schon, o Gott. Nicht schon wieder. Aber kurz bevor es dann ins Wasser ging, wurden alle Regeln wieder umgeschmissen, denn es waren elf Mantas da.

Elf.

O mein Gott.

Wir haben anderthalb Stunden an dieser Stelle im Wasser verbracht und mindestens fünf verschiedene Mantas, unter anderem Resident Betty, sind um uns herumgeschwommen. Man konnte nach links und nach rechts gucken und ständig hat man wieder einen gesehen. Manche waren verspielt (Mantas sind sehr intelligent, sie haben das größte Gehirn von allen Fischen, im Verhältnis zur Körpergröße), andere mit Fressen beschäftigt. Und es war einfach nur großartig. Sie haben sich im Wasser gerollt, haben sich die Schwimmer angeschaut und waren die ganze Zeit um uns herum. Wir mussten also nicht ständig aus dem Wasser und wieder rein.

Aber wir hatten auch einfach viel Glück. Am Vortag wurde nur ein einziger Manta gesichtet und die Guides haben gesagt, dass sie noch nie so einen wunderbaren Schnorchelgang erlebt haben. Ich bin so unglaublich dankbar für dieses großartige Erlebnis und bin froh, dass ich die Tour gemacht habe, vor allem, weil ich mir morgens gewünscht hatte, dass sie abgesagt wird, weil ich mich ein bisschen unwohl gefühlt habe. Gott sei Dank wurde sie nicht abgesagt, denn das war ein Erlebnis fürs Leben.

Weil wir so schnell so viele Mantas gesehen haben, ist der letzte Schnorchelgang des Tages dann auch an einer Stelle gewesen, die sie normalerweise aus Zeitgründen nicht anfahren können. Und was soll ich sagen? Noch mehr Schildkröten. Einige haben auch eine Moräne gesehen. Ich leider nicht, weswegen das der neuste Wunsch auf meiner Bucket List sein wird.

Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen Tigerhai, einen chinesischen Weißdelfin, eine Seekuh-Mama mit Baby und einen Stachelrochen gesehen. Kann dieser Tag noch irgendwie perfekter gewesen sein? Ich bin so sprachlos und dankbar für diesen unvergesslichen Tag.

Westaustralischer Roadtrip Teil 1

Nach meinem kleinen Abstecher in die Mitte des Landes bin ich nach Perth geflogen, der einzigen großen Stadt in Westaustralien. Lange bin ich dort nicht geblieben. Stattdessen habe ich den Shuttle nach Fremantle genommen, einer kleinen Stadt, die so nah an Perth ist, das man schon von einem Vorort sprechen könnte, was wir aber nicht tun.

Über Fremantle selbst kann ich gar nicht so viel sagen, da ich nur durch die Stadt gewandert bin, verschiedene Cafés besucht und geschrieben habe. Und dann hat es auch noch drei Tage lang geregnet, weswegen ich noch weniger gemacht habe.

Rottnest Island

Das einzige, was ich wirklich gemacht habe, ist eine Tour nach Rottnest Island. Diese Insel liegt etwa eine dreiviertel Stunde von Fremantle entfernt und ist für mehrere Dinge bekannt – und das für so eine kleine Insel!

Punkt 1: Rottnest Island liegt in einem Warmwasserstrom, weswegen es hier Korallen gibt, die es normalerweise so weit südlich nicht gibt, weil das Wasser zu kalt ist. Es gibt viele tolle Schorchelstellen über die ganze Insel verteilt, auch einen Schnorcheltrail und das Wasser ist überall so traumhaft, das man sich direkt ins Vergnügen stürzen möchte. Ich war hier nicht schnorcheln. Ich wollte noch einmal wiederkommen, um das zu tun, aber dann hat mir das Wetter leider einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Punkt 2: Die Quokkas. Diese kleinen Verwandten des Kängurus sind nicht nur die heimlichen Stars der Insel, sondern im Grunde auch die einzigen Bewohner. Es gibt kaum (oder gar keine?) Menschen, die hier hauptsächlich wohnen. Es gibt Touristenbetten und die Firmen, die hier ihren Sitz haben, haben Saisonwohnungen für Mitarbeiter, aber die wohnen nicht das ganze Jahr hier. Also bleiben nur die Quokkas. Wenn sie sich auf ihre Hinterbeine stellen, kann man das Lächeln sehen, das sie im Gesicht haben.

GANZ WICHTIG: Nicht anfassen und nicht füttern. Ich habe leider viel zu viele Leute gesehen, die sich nicht dran gehalten haben. Es ist nur einmal an der Info ein Schild aufgestellt, dass man das nicht darf und das Zuwiderhandlung eine Strafe von 150AUSD nach sich zieht. Das ist ganz eindeutig zu wenig. Die Quokkas sind auch so süß und zutraulich, dass man sie anfassen will. Aber es tut ihnen nicht gut und uns auch nicht, denn sie können Krankheiten wie Salmonellen übertragen.

Eine beliebte „Sportart“ ist das Quokka-Selfie. Meinen kläglichen Versuch seht ihr hier. Die eigentliche Aufgabe ist es, eines dieser süßen Tierchen mit sich selbst auf ein Selfie zu bekommen, ohne es anzufassen und ohne es anzufüttern. Gar nicht so leicht. Wobei ich glaube, das einige auch einfach schummeln und füttern.

Punkt 3: Auf der Insel gibt es keine Autos. Okay, das ist gelogen. Es gibt Fahrzeuge, wie etwa den Touristenbus und Fahrzeuge der Inselverwaltung etc., aber es sind keine Privatfahrzeuge erlaubt. Über die Insel bewegt man sich mit dem Fahrrad, mit dem Hop on/Hop off-Bus oder mit einer geführten Inseltour. Ich hab letzteres gemacht, würde aber den Hop on-Bus empfehlen, weil man da tatsächlich an den Orten aussteigen kann und nicht nur dran vorbei fährt.

Auf jeden Fall war das ein ganz wunderbarer Tag, der mit zu meinen Highlights gehört. Nicht nur, weil das Wetter so toll war.

Pinnacles Desert

Und dann ging der Roadtrip richtig los. Mit dem Mietwagen (das dritte Mal hintereinander habe ich ein Upgrade bekommen, weswegen meine Autos immer größer und größer werden) will ich von Perth nach Exmouth fahren und wieder zurück. Eine Strecke ist etwas weniger als 1300km lang. Die Hälfte der Dinge, die ich sehen will, mache ich auf der Hinfahrt und die andere Hälfte auf der Rückfahrt. Das war zumindest der Plan. Da aber schlechtes Wetter für die Region Exmouth angekündigt war, bin ich schneller nach Norden gefahren und schaue mir dann alles andere auf der Rückfahrt an.

Mein erster Stopp war die Pinnacles Desert in der Nähe von Cervantes. In diesem Nationalpark stehen jede Menge Pinnacles, Kalksteinsäulen in unterschiedlichen Größen und Formen. Sie bestehen aus zusammengepressten Muschelschalen und haben teilweise sehr bizarre Formen. Manche sind ganz klein, andere wiederum viel höher als ich. Man kann entweder zu Fuß gehen oder mit dem Auto den Rundweg fahren. Ich hab beides gemacht – und dabei noch mit Mama gefacetimed. Multitasking.

Jurien Bay

Eigentlich soll man in Jurien Bay super Schnorcheln können. Es ist an einem alten Steg auch ein Schnorcheltrail angelegt, aber das Wetter war leider nicht so toll, weswegen mich keine zehn Pferde ins Wasser bekommen hätten.

Geraldton

Hier habe ich übernachtet. Das Motel war ganz okay, aber sonst kann ich nicht viel zu diesem Ort sagen. Ich bin ziemlich spät angekommen, gerade eben noch im Hellen (im Dunkeln kommen die ganzen nachtaktiven Kängurus raus und es kommt vermehrt zu Unfällen. Überall an den Straßen sieht man die toten Tiere liegen. Daher versuche ich, nie im Dunkeln zu fahren, wenn es sich vermeiden lässt) und dann ziemlich früh wieder weiter gefahren.

Pink Lake

Am nächsten Tag bin ich noch einmal eine lange Strecke gefahren und habe noch einen Abstecher zum Pink Lake gemacht, was eigentlich vollkommen unsinnig war, weil ich auf der Rückfahrtstrecke sowieso dran vorbei gekommen wäre, aber ich wollte es eben so, daher habe ich es gemacht. Der Himmel war leider ziemlich blau. Warum leider? Das Blau des Himmels hat sich in der glatten Oberfläche des Pink Lakes gespiegelt und das Pink hatte kaum eine Chance. Aber ich habe ja auf dem Rückweg noch einmal die Gelegenheit und hoffe auf bewölkten Himmel. Das habe ich mir tatsächlich noch nie gewünscht, aber gut. Einmal ist immer das erste Mal.

Carnarvon

Hier habe ich die zweite Nacht geschlafen. Da ich am frühen Nachmittag angekommen bin, wollte ich die einzige Attraktion der Stadt ansehen, den One-Mile-Jetty, einen Steg, der über Marschland circa eine Meile verläuft bis zum Wasser. Es fährt sogar eine kleine Bahn hier lang. Leider ist der Steg bis auf weiteres geschlossen. Direkt neben an gibt es noch den Mangrove Walk, einen kurzen Steg quer durch die Marsch mit ihren Mangroven. Dieser Weg ist nur etwa dreißig Meter lang, soll aber ausgebaut werden, bis er am Jetty endet. Vielleicht ist er dann irgendwann wieder geöffnet.

Exmouth

Die letzte Etappe bin ich durch gefahren, weil ich so früh wie möglich in Exmouth ankommen wollte, um noch für den kommenden Tag eine Walhai-Tour zu buchen. Ab Donnerstag sollte es nämlich eigentlich gewittern, daher war Mittwoch die bessere Wahl.