Vom Norden in den Osten

Die letzten Tage in Perth hatte es ja sehr viel geregnet und es war auch echt kalt, weswegen ich sooooo froh war, dass ich ganz in den Norden geflogen bin, zum Top End. Kurz vor Mitternacht kam ich in Darwin an und der nette Hotelconcierge hatte für mich einen Late Check-in arrangiert, obwohl sie eigentlich nur bis zehn Uhr abends einchecken.

Darwin

Aufgewacht bin ich dann zu strahlend blauem Himmel, Sonnenschein und über dreißig Grad. Endlich wurde mir mal wieder richtig warm! Mein Bild von Australien wurde wirklich nachhaltig gestört, weil es nicht immer heiß ist. Eine Schande.

Am ersten Tag bin ich durch die Stadt gelaufen, habe mich in das grandiose türkise Wasser verliebt (mal wieder) und habe eine Tour zum Kakadu Nationalpark gebucht, dem Must-see im Top End.

Der nächste Tag war dann vollgepackt, denn ich war in der Crocosaurus Cove, einem Krokodil-Park mitten in der Stadt. Es ist schon ein wenig surreal zu wissen, dass diese riesigen Tiere im zweiten Stock des Nachbarhauses untergebracht sind. Aber es war schon ziemlich cool, muss ich zugeben. Unter anderem gibt es dort Burt, der im Original Crocodile Dundee mitgespielt hat. Burt ist ein alter Charmeur und frisst immer seine Partnerinnen, weswegen beschlossen wurde, dass er für den Rest seines Lebens Junggeselle bleibt. Neben den Krokos gibt es auch noch andere Reptilien hier, Schlangen, Eidechsen und so was. Man kann bei der Fütterung zusehen und darf kleine Krokos auch selbst mit einer Art Angel füttern. Was ich nicht wusste, ist, dass Krokodile nicht viel fressen. Ein Huhn pro Woche etwa. Im Grunde muss man also gar keine Angst haben, sondern einfach immer ein Huhn dabei haben.

Ich hab ein Babykrokodil gestreichelt, eine Schlange namens Mathilda auf dem Arm gehabt und eine kleine Eidechse namens Sammy. Das war auf jeden Fall besonders.

Dann bin ich mit dem Hop on/Hop off-Bus gefahren, ohne jemals auszusteigen. Hätte ich mich vorher mit Darwin mehr beschäftigt, hätte ich noch ein paar Sachen mehr angesehen, zum Beispiel den Royal Flying Doctors Service, so bin ich nur dran vorbei gefahren. Donnerstags Abend ist am Mindil Beach der berühmte Sunset Market. Man kauft sich was zu essen an einer Vielzahl an Ständen. Es gibt quasi alles. Griechisch, Italienisch, Vietnamesisch, Chinesisch, Burger, Beef Jerky … Die Qual der Wahl fällt schwer. Ich hatte gebackene Austern als Vorspeise und einen Gyros-Wrap als Hauptspeise, was beides sehr lecker war. Dann nimmt man sein Essen, setzt sich an den Strand und schaut dem Sonnenuntergang zu. Gibt es was besseres? Ich glaube nicht.

An meinem dritten Tag in Darwin ging es dann in den Kakadu Park, der den Aborigines gehört, ebenso wie das benachbarte Arnhem Land. Die Tour fing aufregend für mich an, denn ich habe mich spontan entschieden, einen Rundflug über den Park zu machen, weil man leider in einer Tagestour nicht so viel sieht. Es war wirklich eine tolle Erfahrung, aber ich war auch glücklich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Man muss schon Vertrauen haben, in so eine kleine, achtsitzige Maschine zu steigen (und man muss auch erst mal reinkommen). Ich saß auf dem Co-Pilotensitz und hatte daher beste Sicht, musste dafür aber auch klettern, weil es anders als im Passagierraum keine Leiter gibt. Aber irgendwie hat es ja geklappt und der Ausblick war einfach fantastisch.

Ich war schon so fasziniert von den Wetlands in Brasilien und sie hier von oben zu sehen, war spektakulär. Im letzten Jahr sind hier im Park Funde gemacht worden, die belegen, dass die Aboriginies schon seit 65.000 Jahren in der Gegend leben, damit sind sie die älteste Volksgruppe, die durchgehend existiert hat.

Nach dem Flug ging es auf eine Flussfahrt durch die Wetlands. Ich hätte da noch ewig bleiben können, leider war es nach neunzig Minuten vorbei. Aber wir haben Krokos gesehen, einen Seeadler, jede Menge andere Vögel, und auch ein Wallaby, das durch die Marsch gehüpft ist. Das war schon sehr cool.

Zum Abschluss der Tour ging es noch zu einer Felsmalerei-Stätte der Aborigines. Die Kunst ist hier weiter fortgeschritten, als an anderen Orten in Australien, weswegen man davon ausgeht, dass sie das Malen als Freizeitbeschäftigung zelebriert haben und so besondere Fertigkeiten erworben haben. Es war auf jeden Fall ein echt schöner Tag.

Cairns

Dann bin ich nach Cairns geflogen, um endlich am Great Barrier Reef zu schnorcheln. Nicht, dass ich nicht schon so viel geschnorchelt wäre, das mir beinahe Schwimmhäute wachsen. Ach was. Man kann davon nicht genug bekommen. Leider war es relativ windig, weswegen mir geraten wurde, eine Tour zum Pontoon zu machen, weil dieses stabiler im Wasser liegen würde und man dadurch mehr Spaß beim Schnorcheln hat. Leider war das überhaupt nicht meins. Die Tour war viel zu teuer für das, was man geboten bekommen hat, vor allem, wenn ich das mit den beiden großartigen Schnorcheltrips in Port Douglas vergleiche, die ich später gemacht habe. Und es waren auch einfach zu viele Leute. Wir hatten gerade mal zweieinhalb Stunden am Riff und in dieser Zeit sollte man schnorcheln, mit dem Glasbodenboot fahren, Tauchen ausprobieren, das Unterwasserobservatorium besuchen und zu Mittag essen. Ich hab das Mittagessen ausfallen lassen und bin sofort ins Wasser gegangen, was sehr gut war, denn so hatte ich das Wasser für mich alleine, weil alle anderen aßen. Das Riff war schön, aber auch nicht atemberaubend. Memo an mich selbst: Keine Pontoons mehr.

Port Douglas

Dann bin ich ein Stück in den Norden gefahren, nach Port Douglas, kleiner und schicker als Cairns, aber auch sehr, sehr schön. Ich hatte gelesen, dass man am Besten am Opan Reef und am Agincourt Reef schnorcheln kann, daher habe ich zwei Touren gebucht.

Am ersten Tag ging es mit Wavelength Reef Cruises zum Opal Riff. Es waren eine reine Schnorcheltour, was ich am liebsten mag, weil man dann nicht zu Spots fährt, die eher zum Tauchen geeignet sind.

Drei Stops, jeweils eine Stunde. Es war einfach großartig. Direkt am ersten Spot ist eine Schildkröte unter mir hergeschwommen, damit war der Tag schon mal ein Highlight. Seit der Unterwasserfotograf dieses tolle Bild von einer Schildkröte am Ningaloo Reef gemacht hat, habe ich mir gewünscht, eine Schuldkröte auch mal so nah zu sehen und zu fotografieren. Weil, es ist irgendwie was anderes, wenn man selbst das Foto macht. Man ist einfach näher dran.

Die Korallen waren so wunderschön, es gab auch jede Menge Soft Corals direkt unter der Wasseroberfläche. Das sind die Korallen, die in den knalligsten Farben blühen. Oftmals sind sie so tief im Wasser, dass man sie als Schnorchler nicht sieht, nur als Taucher. Aber hier waren sie direkt unter der Oberfläche und so atemberaubend schön.

Nachdem man immer hört, dass das Great Barrier Reef so angegriffen ist, hätte ich nicht erwartet, so tolle Korallen zu sehen. Außerdem haben wir einen Leopardenhai gesehen und einen Bullenrochen (Bull Ray auf Englisch, ob das dann die deutsche Übersetzung ist?). Und natürlich Nemo gefunden. Ganz besonders süß sind auch die Christmastree Worms, die in leuchtenden Farben vorkommen und echt niedlich sind.

Tag zwei habe ich im Daintree Rainforest verbracht. Dieser Regenwald ist zwar der zweitkleinste der Welt, aber auch der älteste. Über 120 Millionen Jahre ist er alt, was unvorstellbar ist. Zunächst ging es mit Downunder Tours zum Daintree River, wo wir mit einem Guide nach Krokodilen gesucht haben. Und sie auch gefunden haben. Es ist schon erschreckend, wo sie überall sind, und auch kein Wunder, dass man an vielen Stellen nicht ins Wasser darf, weil dort Krokos sind.

Danach ging es zum Alexandra Range Lookout, von wo man einen einmaligen Blick über den Regenwald und das anschließende Riff hat. Denn hier liegen zwei UNESCO Welterbestätten direkt beieinander, was einfach cool ist.

Am Cape Tribulation trifft der Regenwald auf den Ozean, und ich muss wirklich sagen, dass es einfach ein so krasser Kontrast ist, auch, wenn es eigentlich keiner ist, denn Regenwald und Riff bedingen einander. Ohne das eine gäbe es das andere nicht.

Im Mossman Gorge haben wir dann von einem Aborigine Guide eine kurze Einführung in das Leben der Ureinwohner bekommen, unter anderem wie sie Seife und Farben herstellen. Im Anschluss hatten wir noch einen kurzen Trip durch den Regenwald, bevor es zurück nach Port Douglas ging.

Meinen dritten Tag habe ich wieder einmal beim Schnorcheln verbracht. Es war ein echt toller Tag, obwohl ich den Minkwal leider nicht gesehen habe, den die anderen entdeckt haben. Wäre cool gewesen. Aber es gab eine Schildkröte und zwei Haie, was will man mehr?

Kuranda

Ich hab noch einmal einen kleinen Stop in Cairns eingelegt, weil ich noch nach Kuranda wollte. Dies ist ein kleines Hippiedorf im Regenwald, was gibt es da nicht zu mögen? Nun ja, das Wetter, aber was kann man auch anderes in einem Regenwald erwarten? Ich wurde von meinem Hotel abgeholt und zum Anfang der Skyrail gebracht, einer Seilbahn, die in neunzig Minuten bis zum Dorf fährt. Es gibt zwei Stopps auf dem Weg. Einmal die berühmten Wasserfälle Barron Falls und dann hält man noch mitten im Regenwald an. Ich habe ja keine Angst vor Höhe, nur immer Angst vor dem Runterfallen. Das letzte Mal, dass ich in einer Seilbahn saß, war 2006 im argentinischen Bariloche und ich hatte solche Angst, dass ich nicht mehr lebend runterkomme, dass ich heulen wollte. Trotzdem habe ich es wieder getan und ich weiß nicht, ob ich mittlerweile generell angstfreier bin oder ob ich den australischen Erbauern mehr vertraue als den argentinischen, aber es war einfach nur toll über die Gipfel des Regenwaldes zu schweben.

Ein Vorteil des Regens war, dass der Wasserfall auch gut gefüllt war. Ich habe ihn von beiden Seiten gesehen, denn auch mit der Eisenbahn stoppt man hier, dann aber auf der anderen Seite.

Kuranda selbst ist ein süßes Dorf, besonders bekannt für den Handwerkermarkt, auf dem man alles mögliche aus australischer Produktion kaufen kann, z.B. Boomerangs, Didgeridoos (inklusive Kurs), Känguru-Taschen usw. Daneben gibt es auch noch drei kleine „Zoos“. Das erste ist ein Schmetterlingshaus, in dem 1000 bunte Gesellen munter vor sich hin flattern. Soooo spektakulär fand ich es jetzt nicht, auch wenn ich ein Selfie mit Schmetterlingsflügeln gemacht habe …

Dann gibt es noch das Vogelhaus, das ich nicht besucht habe, und das Wildtiergehege. Hier gibt es jede Menge Krokodile, ein paar Wombats und wenige Kängurus, die man füttern darf. Und man kann Fotos mit den Koalas machen, wenn man möchte.

Den Rückweg habe ich mit der Scenic Railway zurückgelegt, einem alten Zug, dessen Waggons teilweise hundert Jahre alt sind. Der Weg ist malerisch, aber leider saß ich zu weit vom Fenster weg (setzt euch auf jeden Fall ans Fenster, sonst seht ihr kaum was). Trotzdem war es beeindruckend, denn diese Eisenbahnstrecke ist echt ein Wunderwerk der Technik. Sie führt an tiefen Schluchten und Abhängen vorbei, muss teilweise Haarnadelkurven überbrücken und führt durch fünfzehn Tunnel. Wie viele Höhenmeter sie überbrücken muss, weiß ich nicht mehr (es wurde wahrscheinlich gesagt), aber es ist wirklich krass, was Menschen ohne moderne Technik alles leisten konnten. Die Pylone der Seilbahn wurden dagegen mit Hubschraubern an Ort und Stelle geflogen.

Ein Besuch in Kuranda lohnt sich auf jeden Fall, aber ich glaube, dass alles einfach besser ist, wenn das Wetter gut ist.

Westaustralischer Roadtrip, Teil 2

Direkt nach dem Schnorcheln mit den Mantarochen bin ich dann weitergefahren. Zunächst habe ich wieder in Carnarvon übernachtet, bevor es dann nach Shark Bay ging. Leider war das Wetter auf dem Hinweg nicht so toll. Auch am nächsten Tag nicht, weswegen es alles ein wenig bedrückend war. In einem Ort, der vom Wasser lebt, gibt es an Regentagen nicht so viel zu tun.

Shell Beach

Trotz Nieselregens habe ich einen kurzen Abstecher zum Shell Beach gemacht. Der Strand besteht aus Millionen von kleinen Herzmuscheln, die hier angespült werden. Wenn die Sonne scheint ist es so gleißend hell, dass man nur mit Sonnenbrille überlebt – wurde mir gesagt. Ich persönlich kann das nicht bestätigen. Dass Wasser hier ist doppelt so salzig wie der Ozean, weil zwar Wasser in die Bay fließt, aber nur wenig hinausfließt, und es kaum regnet.

Außerdem hat das Wasser diese krasse türkise Farbe, die einen dazu verführt, sofort reinzuspringen. Wenn das Wetter gut ist. Daher konnte ich mich doch noch zurückhalten.

Denham

Shark Bay ist ein Weltnaturerbe der UNESCO, und als eine der wenigen Stätten der Welt erfüllt sie alle vier Kriterien: überragende Naturerscheinung, Hauptstufen der Erdentwicklung, in Gang befindliche Evolution und bedeutende Lebensräume für die Artenvielfalt. Für die Shark Bay bedeutet das: die Stromatoliten in Hamelin, die riesiegen Seegrasfelder, die die größten der Welt sind, die Heimat für fünf bedrohte Meerestierarten und 10.000 Seekühe, ein Zehntel der gesamten Weltpopulation. Dementsprechend gibt es auch nur wenige Orte hier, der „größte“ ist Denham mit den meisten Unterkünften. Aber groß und groß sind zwei ganz verschiedene Dinge.

Wenn es regnet, kann man hier nicht so besonders viel machen, da eigentlich alles unter freiem Himmel ist. Allerdings kann man in den Ocean Park, etwa zehn Kilometer südlich von Denham fahren. Hier gibt es mehrere Becken, in denen verschiedenen Meeresbewohner der Region leben. Manche der Becken waren sehr klein und ich war darüber nicht sehr glücklich, andere Becken waren richtig groß und haben mich ein wenig versöhnt. Am interessantesten ist wohl die Haifütterung. Hier gibt es mehrere Zitronenhaie (ja, der Name hat mich auch gewundert!), die größte heißt Linda (glaube ich). Mit einer Art Angel, an der ein Fisch hängt, werden sie gefüttert. In dem Becken sind auch noch andere Fisch, aber da sie gesund und zu schnell sind, fressen die Haie sie nicht.

Und dann gibt es hier noch das Old Pearlers Restaurant. Das Gebäude ist das meistfotografierte des ganzen Ortes, weil es aus Coquina besteht, gepressten Muscheln aus Shells Beach. Diese werden so fest, dass sie zu Stein werden und geschnitten werden können. Das ganze Haus besteht aus diesen Blöcken und ist wohl das einzige Restaurant weltweit, das nur aus Coquina besteht (hauptsächlich zumindest, denn Türrahmen und Fenster bestehen aus Holz). Außerdem ist es das westlichste Restaurant in Australien. Westlicher ist dann Südafrika.

Monkey Mia

Zweimal war ich in Monkey Mia, denn am ersten Morgen sind die Delfine einfach nicht aufgetaucht. Es soll nur vier Tage jährlich geben, an denen sie nicht kommen, das war echt Pech. Was aber wohl mit dem schlechten Wetter zusammen hing.

Jedenfalls hatte ich dann am nächsten Tag Glück. Vorab war ich mir nicht sicher, ob ich das überhaupt mögen würde. Delfine sehen ist immer toll, aber wenn das ganze so megatouristisch ist, frage ich mich immer, wie gut das für die Delfine eigentlich sein kann. Vor Ort muss ich aber sagen, dass es weniger schlimm war, als ich befürchtet hatte (klar, es waren jede Menge Touristen da). Die Delfine kommen schon seit Jahrzehnten an diesen Strand, und durch die Ranger und die ganzen Regeln werden die Tiere tatsächlich geschützt. Sonst würde wahrscheinlich jeder ins Wasser springen und versuchen, die Tiere anzufassen. Zugegeben: Sehr verlockend!

Man darf mit den Füßen im Wasser stehen in einer Reihe, während die Delfine (je nach Tag mal einer, mal zehn) durch die Bucht schwimmen. Mal kommen sie ganz nah, mal sind sie weiter weg, wie sie das eben machen wollen. Da kann – Gott sei Dank! – kein Einfluss drauf genommen werden. Ob das Füttern wirklich sein muss, wage ich zu bezweifeln, obwohl uns gesagt wurde, dass dadurch etwa eine Delfindame mit Antibiotika versorgt werden konnte, die bei einem Haiangriff den Kopf aufgerissen hatte. Es dürfen auch nur fünf bestimmte Delfine gefüttert werden und auch nur maximal zehn Prozent des Tagesbedarfs. Vielleicht würden sie nicht mehr kommen, wenn es keine Fische gäbe, aber es kommen ja auch manchmal mehr Delfine als nur die fünf. Ich weiß es nicht.

Und dann habe ich noch eine Nature Cruise gemacht, um die Seekühe zu besuchen. Leider haben sie sich nicht sehen lassen, dafür haben wir aber noch mehr Delfine getroffen, die auf der Bugwelle des Bootes geritten sind (sagt man das so? Auf Englisch heißt es „riding the bow“). Da das Wetter wieder besser war, war es trotz allem ein schöner Ausflug.

Allerdings musste ich mich danach sputen, denn der Weg nach Kalbarri war lang. Weswegen ich dann auch keine Zeit hatte, auf dem Rückweg die Stromatoliten in Hamelin anzusehen.

Kalbarri

Ich kann Regen nicht ausstehen. Kein bisschen. Morgens bin ich zur Pelikanfütterung gegangen, wo ein Sonnensegel gespannt ist, sodass man wenigstens ein kleines bisschen vor Regen geschützt ist (ich hab ja meine Regentage mit Mama nach Hause geschickt, weil es in Australien ja nie regnet). Drei Pelikane, zwei Weibchen und ein Männchen, sind gekommen und es war ziemlich lustig zu sehen, wie sie sich mit den Möwen um die Fische gestritten haben, die die Kinder mehr schlecht als recht geworfen haben. So ein Pelikan kann ganz schön groß werden. Ganz besonders sieht man das, wenn sie so nah kommen. Ich war froh, dass ich weiter weg stand. Die Schnäbel sehen beängstigend aus!

Danach bin ich zu den Meeresklippen des Kalbarri Nationalparks gefahren. An den meisten Aussichtspunkten hatte ich Glück, und es hat nicht geregnet, während ich die kurzen Wanderwege gegangen bin. Einmal bin ich ziemlich nass geworden, aber ich habe es so gerade überlebt.

Dann war ich noch im Rainbow Jungle, einem Vogelpark, das angeblich das beste in ganz Australien ist. Sehr schön fand ich den großen „Käfig“, durch den man auch durch laufen konnte. Ein Papagei hat sich auf meinen Arm gesetzt, was ich auch immer gut finde. Aber manche Käfige waren auch sehr klein und wenn dann da nur ein Vogel drin saß, war das schon ganz schön traurig.

Am nächsten Tag schien dann wieder die Sonne und ich machte mich auf den Weg zu den Schluchten des Kalbarri Parks. Die berühmteste ist wohl am Nature’s Window, einer Felsformation, die ein Loch bildet, durch das man die beeindruckende Schlucht sehen kann. Hier musste man ein wenig „klettern“ und ich muss gestehen, dass ich froh war, dass so viele Menschen um mich herum waren. So ganz alleine am Rand einer Schlucht entlang zu laufen, wäre mir dann doch zu mulmig gewesen. Obwohl ich es trotzdem gemacht hätte. Ich wollte ja das Fenster sehen.

Auch die Z-Kurve (Z-Bend) war sehr schön anzusehen. Hier konnte man richtig die ganzen Gesteinsschichten sehen und wie der Fluss sich dadurch gegraben hat. Danach habe ich mich auf den Weg nach Horrocks gemacht, was angeblich einer der schönsten Strände Australiens sein soll.

Hutt Lagoon/ Pink Lake

Unterwegs bin ich noch mal an der pinken Lagune vorbei gekommen und dieses Mal war sie richtig pink. Außerdem war es auch absolut windstill, weswegen das Wasser wie ein Spiegel war. Leider habe ich keinen Punkt gefunden, von dem aus man richtig nah ans Wasser kam und am Aussichtspunkt ist es nicht so pink, wie an anderen Stellen, die man aus der Ferne sehen kann. Aber es ist auf jeden Fall sehr cool.

Horrocks

Vielleicht liegt es daran, dass ich in einem abgehalfterten Wohnwagenpark geschlafen habe, aber irgendwie konnte mich dieser Ort nicht so wirklich bezaubern. Der Strand war nun auch nicht so wunderschön, daher war es okay, hier nur eine Nacht zu schlafen und nach Perth weiter zu fahren.

Perth

Der letzte Stopp meines Roadtrips war dann Perth. Ich hatte vorher gehört, dass die Stadt nicht so super schön sein soll und man lieber in Fremantle bleiben sollte (was ich ja am Anfang des Trips tat), aber ich muss sagen, dass ich sie sehr schön fand. All die kleinen Cafés und die hübschen Straßen … Es wäre auf jeden Fall eine Stadt zum Leben. Obwohl ich sagen muss, dass ich mir nicht so viel angeschaut habe, denn nach zwei Wochen Action brauchte ich ein paar Tage Ruhe.

Am letzten Tag war ich noch im Perth Aquarium und von allen Aquarien, die ich auf dieser Reise gesehen habe, war dies das beste. Es gab nicht so unglaublich viele Tiere, aber richtig große Becken. Mir hat ganz besonders das Korallenriff gefallen, aber das wird ja niemanden verwundern.

Nicht zu viel, denn im Anschluss ging es nach Darwin, zum Top End.

Wassersport zum Abwinken

Exmouth und Umgebung sind besonders für das Ningaloo Reef bekannt, ein sehr abgeschiedenes Riffsystem, das sich ausgezeichneter Gesundheit erfreut und daher eine Fülle an Lebewesen beherbergt.

Turquoise Bay

Da ich ja dachte, ab Donnerstag wird das Wetter schlecht, bin ich noch am Dienstagnachmittag in den Cape Range Nationalpark gefahren, um in der Turquoise Bay zu schnorcheln. Es gibt hier zwei Stellen, einmal die Bay und einmal den Drift. Da im Reiseführer stand die Bay ist für Anfänger und der Drift für geübte Schnorchler bin ich zuerst zur Bay gegangen. Wirklich. Aber es war so langweilig, das ich beinahe eingeschlafen wäre. Daher habe ich nach fünf Minuten meine Sachen gepackt und bin zum Drift am Strand entlang gelaufen.

Vom Parkplatz aus läuft man etwa zweihundert Meter den Strand hinunter und schwimmt dann etwa dreißig, vierzig Meter hinaus. Die Strömung treibt einen dann an Korallen mit jeder Menge Fischen vorbei. Aber man muss aufpassen und vor der Sandbank „aussteigen“, sonst wird man auf das Meer hinausgezogen. Angeblich haben andere Schnorchler eine Schildkröte und einen Hai gesehen, aber ich glaube, die wollten mich nur ärgern.

Ich hab beides nicht gesehen, dafür aber eine Vielzahl an Fischen. Und da die Korallen knapp unter der Wasseroberfläche sind, hat mein Schnorchelherz schneller geschlagen. Hier sind aber vor allem harte Korallen zu sehen, die meist nur braun und grün sind. Die farbenfrohen weichen Korallen sind hier nicht zu sehen.

Walhai-Tour

Diese Tour hat einen Traum erfüllt, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich ihn habe. Oder erst seit ich im Lonely Planet vom Ningaloo Reef gelesen habe. Seitdem wusste ich, dass ich UNBEDINGT eine Walhai-Tour machen musste.

Es ging mit dem Minivan zum Anleger und dann mit einem kleinen Tenderboot zum eigentlichen Boot. Wir wurden mit Neoprenanzügen, Flossen und Co. ausgestattet und dann ging es zum ersten Schnorchelspot. Dieser dient vor allem zur Übung, denn später muss alles schnell-schnell gehen. Das beste an diesem Spot? Ich habe meine erste Schildkröte gesehen und es war sooooo wunderbar. Sie schwimmen so lustig durch die Gegend und irgendwie erinnern sie mich immer an Dori „einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen“ (ja, ich weiß, dass die eigentlich Schildkröten in Findet Nemodie coolen Dudes sind). Jedenfalls war der Tag für mich damit schon ein Erfolg.

Mit Flugzeugen wird nach den Walhaien gesucht, die zwischen März und Juli (glaube ich) in der Region sind. Wenn ein Walhai gesichtet wird, macht sich das Schiff auf den Weg dort hin. Diese größten Fische der Welt sind wild und machen natürlich, was sie wollen. Daher muss es schnell gehen. Wenn man nah dran ist, müssen alle schnell ins Wasser. Wenn man einen „guten“ Walhai hat, schwimmt er langsam vor sich hin, sodass man neben ihm schwimmen und ihn bewundern kann. Wenn man einen „schlechten“ hat, dann taucht er ab. Kaum waren wir das erste Mal im Wasser, war der gesichtete Walhai weg. Und dann ging es wieder ins Boot zurück. Bis er wieder auftauchte. Schnell zurück ins Wasser, aber dieses Mal war er so schnell, dass ein paar nur die Schwanzflosse gesehen haben und andere nichts. Ebenso beim dritten Mal. Jeder dieser Ausflüge ins Wasser dauerte zwei, drei Minuten.

Und das ist auch das, was mir persönlich nicht so gut gefallen hat. Es war einfach so hektisch. Was ich am Schnorcheln liebe, ist das Relaxte, dass man sich Zeit nehmen kann, dass man Gucken und Staunen kann. Es war so großartig, als ich beim vierten Mal endlich einen Walhai gesehen habe. Nicht nur kurz, sondern ein paar Minuten lang. Von der einen Seite und von der anderen und von hinten. Sie sind solch wunderschöne und majestätische Tiere und ich bin froh, dass ich die Tour gemacht habe. Aber die ganze Hektik war einfach nicht meins. Ich hätte es schöner gefunden, wenn ich sie einfach irgendwann mal am Riff gesehen hätte (sehr unwahrscheinlich, weil sie nicht mal in der Nähe des Riffs waren, und ich sie daher nie zufällig gesehen hätte) und dann wäre ich zufrieden gewesen (Fotos mit freundlicher Genehmigung von Sean von Exmouth Diving Center. Ich selber habe keine Fotos gemacht, weil das noch mehr Stress zu der ganzen Sache hinzugefügt hätte und ich wusste ja, dass ich nachher die Fotos vom Fotografen bekomme).

Muiron Islands

Am Donnerstag hat es doch nicht gewittert, weswegen ich noch zu einer Tour zu den Muiron Inseln aufgebrochen bin. Diese Inseln gehören auch zum Ningaloo Reef, haben aber weiche Korallen und sind daher sehr farbenprächtig. Das einzige Problem war, dass es sich eigentlich um einen Tauchtrip gehandelt hat. Ich war die einzige Schnorchlerin an Bord. Sie haben also die Spots danach ausgewählt, wo es sich am besten Tauchen lässt und nicht danach, wo die Korallen an der Wasseroberfläche sind. Von der Farbenpracht konnte ich also nichts sehen, was ich schade fand.

Ich bin an drei Stellen geschnorchelt, aber jedes Mal waren die Korallen teilweise bis zu zehn Meter unter mir, weswegen ich nicht sooo viel gesehen haben. Das fand ich schade.

Für mich muss ich also festhalten, dass ich nicht mehr mit Tauchtrips rausfahre. Die sind mit Sicherheit super für Taucher, aber wenn man Schnorcheln will, eher ungeeignet.

Trotzdem war der Tag schön, weil wir gutes Wetter hatten, Seekühe vom Boot aus gesehen haben und an Bord Burger gegrillt wurden.

Coral Bay

Wenn Exmouth schon klein ist, ist Coral Bay kaum existent. Es gibt nur eine einzige Straße und die führt, Gott sei Dank, zum Strand. Da die Fahrt nur anderthalb Stunden dauert, war ich schon um halb elf da und bin dann sofort Schnorcheln gegangen, denn hier kann man sofort vom Strand aus Schnorcheln. Und ich habe noch nie solch wunderschöne Korallen gesehen. Es sind Cabbage Corals (Kohl Korallen, wobei ich nicht weiß, ob man sie auf Deutsch auch so nennt) und sie sind wie ein Blumenbouquet im Wasser. Blöderweise habe ich meine Kamera nicht mit ins Wasser genommen und war dann auch zu faul, sie noch mal holen zu gehen, daher habe ich keine Fotos von diesen, aber am nächsten Tag konnte ich noch welche an anderer Stelle machen, obwohl sie nicht ganz so riesengroß und wunderschön wie an dieser Stelle waren.

Mantarochen-Tour

Neben den Walhaien, die man auch in Coral Bay besuchen kann, gibt es noch eine weitere Attraktion, nämlich die Mantarochen. In Coral Bay gibt es etwa vierzig Rochen, die das ganze Jahr über da sind, und bis zu tausend, die saisonal kommen und gehen. Es ist also ein guter Spot, um diese Giganten zu Gesicht zu bekommen.

Die Tour startet auch mit einem kleinen Schnorcheltrip, aber dieser hatte es in sich. Denn es ging zum Außenriff zu einer sogenannten Putzerstation. Hier lassen sich große Fische von kleinen Fischen pflegen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass zwei Riffhaie auftauchten und sich die Zähne putzen ließen. Nein, wirklich. Sie haben das Maul aufgemacht und kleinen Fische sind hin und her geflitzt, um die vielen Zähne von altem Fleisch und ähnlichen zu befreien. Auch die Haut wird von Schmutz und Parasiten befreit. Das war so schön anzusehen. Außerdem haben wir noch eine Schildkröte gesehen, was den Trip schon am Anfang zum Erfolg werden ließ.

Kaum waren wir fünf Minuten an Bord, vermeldete das Flugzeug die Sichtung eines Mantas. Wir hatten kaum genug Zeit für unser Briefing, aber es sollte eigentlich ähnlich sein, wie bei den Walhaien. Rein ins Wasser, wenn der Rochen fort ist, wieder ins Boot, dann wieder suchen, rein ins Wasser und so weiter. Nachdem uns das erklärt wurde, dachte ich schon, o Gott. Nicht schon wieder. Aber kurz bevor es dann ins Wasser ging, wurden alle Regeln wieder umgeschmissen, denn es waren elf Mantas da.

Elf.

O mein Gott.

Wir haben anderthalb Stunden an dieser Stelle im Wasser verbracht und mindestens fünf verschiedene Mantas, unter anderem Resident Betty, sind um uns herumgeschwommen. Man konnte nach links und nach rechts gucken und ständig hat man wieder einen gesehen. Manche waren verspielt (Mantas sind sehr intelligent, sie haben das größte Gehirn von allen Fischen, im Verhältnis zur Körpergröße), andere mit Fressen beschäftigt. Und es war einfach nur großartig. Sie haben sich im Wasser gerollt, haben sich die Schwimmer angeschaut und waren die ganze Zeit um uns herum. Wir mussten also nicht ständig aus dem Wasser und wieder rein.

Aber wir hatten auch einfach viel Glück. Am Vortag wurde nur ein einziger Manta gesichtet und die Guides haben gesagt, dass sie noch nie so einen wunderbaren Schnorchelgang erlebt haben. Ich bin so unglaublich dankbar für dieses großartige Erlebnis und bin froh, dass ich die Tour gemacht habe, vor allem, weil ich mir morgens gewünscht hatte, dass sie abgesagt wird, weil ich mich ein bisschen unwohl gefühlt habe. Gott sei Dank wurde sie nicht abgesagt, denn das war ein Erlebnis fürs Leben.

Weil wir so schnell so viele Mantas gesehen haben, ist der letzte Schnorchelgang des Tages dann auch an einer Stelle gewesen, die sie normalerweise aus Zeitgründen nicht anfahren können. Und was soll ich sagen? Noch mehr Schildkröten. Einige haben auch eine Moräne gesehen. Ich leider nicht, weswegen das der neuste Wunsch auf meiner Bucket List sein wird.

Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen Tigerhai, einen chinesischen Weißdelfin, eine Seekuh-Mama mit Baby und einen Stachelrochen gesehen. Kann dieser Tag noch irgendwie perfekter gewesen sein? Ich bin so sprachlos und dankbar für diesen unvergesslichen Tag.

Westaustralischer Roadtrip Teil 1

Nach meinem kleinen Abstecher in die Mitte des Landes bin ich nach Perth geflogen, der einzigen großen Stadt in Westaustralien. Lange bin ich dort nicht geblieben. Stattdessen habe ich den Shuttle nach Fremantle genommen, einer kleinen Stadt, die so nah an Perth ist, das man schon von einem Vorort sprechen könnte, was wir aber nicht tun.

Über Fremantle selbst kann ich gar nicht so viel sagen, da ich nur durch die Stadt gewandert bin, verschiedene Cafés besucht und geschrieben habe. Und dann hat es auch noch drei Tage lang geregnet, weswegen ich noch weniger gemacht habe.

Rottnest Island

Das einzige, was ich wirklich gemacht habe, ist eine Tour nach Rottnest Island. Diese Insel liegt etwa eine dreiviertel Stunde von Fremantle entfernt und ist für mehrere Dinge bekannt – und das für so eine kleine Insel!

Punkt 1: Rottnest Island liegt in einem Warmwasserstrom, weswegen es hier Korallen gibt, die es normalerweise so weit südlich nicht gibt, weil das Wasser zu kalt ist. Es gibt viele tolle Schorchelstellen über die ganze Insel verteilt, auch einen Schnorcheltrail und das Wasser ist überall so traumhaft, das man sich direkt ins Vergnügen stürzen möchte. Ich war hier nicht schnorcheln. Ich wollte noch einmal wiederkommen, um das zu tun, aber dann hat mir das Wetter leider einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Punkt 2: Die Quokkas. Diese kleinen Verwandten des Kängurus sind nicht nur die heimlichen Stars der Insel, sondern im Grunde auch die einzigen Bewohner. Es gibt kaum (oder gar keine?) Menschen, die hier hauptsächlich wohnen. Es gibt Touristenbetten und die Firmen, die hier ihren Sitz haben, haben Saisonwohnungen für Mitarbeiter, aber die wohnen nicht das ganze Jahr hier. Also bleiben nur die Quokkas. Wenn sie sich auf ihre Hinterbeine stellen, kann man das Lächeln sehen, das sie im Gesicht haben.

GANZ WICHTIG: Nicht anfassen und nicht füttern. Ich habe leider viel zu viele Leute gesehen, die sich nicht dran gehalten haben. Es ist nur einmal an der Info ein Schild aufgestellt, dass man das nicht darf und das Zuwiderhandlung eine Strafe von 150AUSD nach sich zieht. Das ist ganz eindeutig zu wenig. Die Quokkas sind auch so süß und zutraulich, dass man sie anfassen will. Aber es tut ihnen nicht gut und uns auch nicht, denn sie können Krankheiten wie Salmonellen übertragen.

Eine beliebte „Sportart“ ist das Quokka-Selfie. Meinen kläglichen Versuch seht ihr hier. Die eigentliche Aufgabe ist es, eines dieser süßen Tierchen mit sich selbst auf ein Selfie zu bekommen, ohne es anzufassen und ohne es anzufüttern. Gar nicht so leicht. Wobei ich glaube, das einige auch einfach schummeln und füttern.

Punkt 3: Auf der Insel gibt es keine Autos. Okay, das ist gelogen. Es gibt Fahrzeuge, wie etwa den Touristenbus und Fahrzeuge der Inselverwaltung etc., aber es sind keine Privatfahrzeuge erlaubt. Über die Insel bewegt man sich mit dem Fahrrad, mit dem Hop on/Hop off-Bus oder mit einer geführten Inseltour. Ich hab letzteres gemacht, würde aber den Hop on-Bus empfehlen, weil man da tatsächlich an den Orten aussteigen kann und nicht nur dran vorbei fährt.

Auf jeden Fall war das ein ganz wunderbarer Tag, der mit zu meinen Highlights gehört. Nicht nur, weil das Wetter so toll war.

Pinnacles Desert

Und dann ging der Roadtrip richtig los. Mit dem Mietwagen (das dritte Mal hintereinander habe ich ein Upgrade bekommen, weswegen meine Autos immer größer und größer werden) will ich von Perth nach Exmouth fahren und wieder zurück. Eine Strecke ist etwas weniger als 1300km lang. Die Hälfte der Dinge, die ich sehen will, mache ich auf der Hinfahrt und die andere Hälfte auf der Rückfahrt. Das war zumindest der Plan. Da aber schlechtes Wetter für die Region Exmouth angekündigt war, bin ich schneller nach Norden gefahren und schaue mir dann alles andere auf der Rückfahrt an.

Mein erster Stopp war die Pinnacles Desert in der Nähe von Cervantes. In diesem Nationalpark stehen jede Menge Pinnacles, Kalksteinsäulen in unterschiedlichen Größen und Formen. Sie bestehen aus zusammengepressten Muschelschalen und haben teilweise sehr bizarre Formen. Manche sind ganz klein, andere wiederum viel höher als ich. Man kann entweder zu Fuß gehen oder mit dem Auto den Rundweg fahren. Ich hab beides gemacht – und dabei noch mit Mama gefacetimed. Multitasking.

Jurien Bay

Eigentlich soll man in Jurien Bay super Schnorcheln können. Es ist an einem alten Steg auch ein Schnorcheltrail angelegt, aber das Wetter war leider nicht so toll, weswegen mich keine zehn Pferde ins Wasser bekommen hätten.

Geraldton

Hier habe ich übernachtet. Das Motel war ganz okay, aber sonst kann ich nicht viel zu diesem Ort sagen. Ich bin ziemlich spät angekommen, gerade eben noch im Hellen (im Dunkeln kommen die ganzen nachtaktiven Kängurus raus und es kommt vermehrt zu Unfällen. Überall an den Straßen sieht man die toten Tiere liegen. Daher versuche ich, nie im Dunkeln zu fahren, wenn es sich vermeiden lässt) und dann ziemlich früh wieder weiter gefahren.

Pink Lake

Am nächsten Tag bin ich noch einmal eine lange Strecke gefahren und habe noch einen Abstecher zum Pink Lake gemacht, was eigentlich vollkommen unsinnig war, weil ich auf der Rückfahrtstrecke sowieso dran vorbei gekommen wäre, aber ich wollte es eben so, daher habe ich es gemacht. Der Himmel war leider ziemlich blau. Warum leider? Das Blau des Himmels hat sich in der glatten Oberfläche des Pink Lakes gespiegelt und das Pink hatte kaum eine Chance. Aber ich habe ja auf dem Rückweg noch einmal die Gelegenheit und hoffe auf bewölkten Himmel. Das habe ich mir tatsächlich noch nie gewünscht, aber gut. Einmal ist immer das erste Mal.

Carnarvon

Hier habe ich die zweite Nacht geschlafen. Da ich am frühen Nachmittag angekommen bin, wollte ich die einzige Attraktion der Stadt ansehen, den One-Mile-Jetty, einen Steg, der über Marschland circa eine Meile verläuft bis zum Wasser. Es fährt sogar eine kleine Bahn hier lang. Leider ist der Steg bis auf weiteres geschlossen. Direkt neben an gibt es noch den Mangrove Walk, einen kurzen Steg quer durch die Marsch mit ihren Mangroven. Dieser Weg ist nur etwa dreißig Meter lang, soll aber ausgebaut werden, bis er am Jetty endet. Vielleicht ist er dann irgendwann wieder geöffnet.

Exmouth

Die letzte Etappe bin ich durch gefahren, weil ich so früh wie möglich in Exmouth ankommen wollte, um noch für den kommenden Tag eine Walhai-Tour zu buchen. Ab Donnerstag sollte es nämlich eigentlich gewittern, daher war Mittwoch die bessere Wahl.

Die kälteste Wüste der Welt

Australien hieß für mich bisher Wärme, sogar Hitze, dass ich aber mal so sehr frieren würde, hätte ich nie gedacht. Aber der Süden im Herbst ist nichts für Weicheier.

Adelaide

Adelaide war niemals eine Sträflingskolonie, sondern wurde von freien Bürgern gegründet. Vielleicht liegt es daran, dass ich es ein wenig … nun ja … ich will nicht zu harsch klingen … langweilig fand. Ich bin mit dem Overland aus Melbourne gekommen. Die Fahrt war eigentlich ganz okay, nur lang, und dann habe ich in einem Hostel in der Nähe der Innenstadt geschlafen. Das war auch wirklich ganz nett (wobei: Wann ist es eigentlich aus der Mode gekommen, andere Menschen zu grüßen, wenn man in die Gemeinschaftsräume eines Hostels kommt? Ich werd alt).

Am nächsten Tag bin ich zur Northern Terrace gelaufen, wo die State Library von South Australia ist, deren einer Flügel ein bisschen aussieht wie Hogwarts. Ansonsten sind hier noch die Museen, aber irgendwie interessieren mich bei all der wunderschönen Landschaft Museen momentan nicht so. Stattdessen bin ich noch in den Botanischen Garten gegangen (kenne ich jetzt eigentlich alle Botanischen Gärten hier???), und habe die Sonne genossen. Sonne ja, aber es war trotzdem kalt. Wunderbar waren aber die Rosakakadu-Schwärme, die ständig am Himmel zu sehen waren.

Ein weiteres Highlight war das marokkanische Restaurant El Riad (obwohl mich der Name ja verwirrt hat, muss ich gestehen, bis ich gegoogelt habe, dass ein Riad ein Haus ist und nichts mit der saudischen Hauptstadt zu tun hat). Die Tajine war soooo gut und dann wurde mir noch duftendes Rosenwasseröl (oder so) auf die Hände gesprüht und ich war im siebten Himmel.

Kangaroo Island

Ich hatte keine Ahnung, dass es die Känguru-Insel gibt, aber dann habe ich sie auf der Karte im Lonely Planet gesehen und wusste, da muss ich hin. Da ich aber keine Lust auf eine Tour hatte, hab ich mir für zwei Tage ein Auto gemietet. Geschlafen habe ich in einem Hostel nahe der Fähre in Penneshaw.

Der Mietwagentyp hat mir ein paar Tipps gegeben, was ich mir angucken kann und was zu beachten ist, etwa, dass man besser nicht im Dunkeln fährt, weil dann die ganzen nachtaktiven Kängurus unterwegs sind. Leider sieht man an den Straßen auch, dass viele ihr Leben lassen müssen.

Am ersten Tag habe ich mich auf die Suche nach Kängurus gemacht und auch welche gefunden. Siehe Video hier. Es war so großartig, sie in der Natur zu sehen. Ich hatte schon das ein oder andere Känguru auf der Zugfahrt gesehen, aber sooo viele noch nicht. Und es war so ein toller Anblick! Ich hätte Stunden hier bleiben können. Ich konnte teilweise auch ganz nah ran, ohne, dass sie weggehüpft wären. Aber manchmal auch nicht, wie man auf dem Video sehen kann.

Danach bin ich zur Seals Bay gefahren, hier lebt die größte Kolonie australischer Seelöwen. Man kann zwei Touren machen. Einmal kann man alleine über die Holzpfade laufen, kommt dann aber im Zweifelsfall nicht so nah an die Tiere heran, weil sie sich ja nun mal aussuchen, wo sie liegen wollen. Und dann gibt es noch eine geführte Tour mit der man bis an den Strand kann. Ich habe beides gemacht und muss sagen, dass an dem Tag für mich die Holzpfade die bessere Option waren, weil sie ganz nah an mich rangekommen sind. Es war auch cool, am gleichen Strand zu stehen, wie die Seelöwen, aber besser gesehen hab ich auf der Holzpfad-Tour.

Und dann bin ich noch zum Flinders Range National Park gefahren. Der Mietwagentyp hatte gesagt, dass man hier Koalas sieht. Hab ich aber nicht. Aber man muss sowieso am Besucherzentrum stoppen, denn man muss sich ein Ticket für den Park kaufen, um zum Admiral’s Arch und den Remarkable Rocks zu kommen. Am Admiral’s Arch leben auch neuseeländische Robben, die auf den Felsen in der Sonne liegen. Den Bogen an sich fand ich jetzt nicht so spektakulär, aber es war lustig, die Robben zu zählen. Ob ich alle gesehen habe? Ich glaube nicht. Mama war der bessere Robben-Finder.

Die Remarkable Rocks sind eine Ansammlung von merkwürdig geformten Steinen, die echt cool aussehen. Natürlich musste ich davon auch Fotos machen. Und dann war es schon nach vier und ich war hundertachtzig Kilometer von meinem Hostel entfernt. Und ich sollte doch nicht im Dunkeln fahren … Habe ich dann aber trotzdem, weil es nicht anders ging. Aber dann nur noch mit fünfzig, statt hundertzehn, und ich hab die ganze Zeit gebetet, dass mir kein Känguru – oder was anderes – vors Auto hüpft. Gott sei Dank war das auch nicht so. Als ich vor dem Hostel geparkt habe, sind mir ganze Felsbrocken vom Herzen gefallen. Ich hätte einfach nicht dafür verantwortlich sein wollen, eines dieser wunderbaren Tiere umzubringen.

Am nächsten Tag war ich dann nach in Kingscote, dem größten Ort der Insel, und habe dort jede Menge Meeresfrüchte gegessen. Ups. Außerdem war ich noch an der Stokes Bay. Hier gibt es einen versteckten Strand. Um diesen zu erreichen muss man durch eine Art Tunnel krabbeln, und wird dafür mit einem Strand belohnt, der unglaublich schön ist. Weißeren, feineren Sand habe ich auf der ganzen Reise noch nicht gesehen. Die Strömung ist ziemlich stark, aber es gibt einen natürlichen Felsenpool, in dem man schwimmen kann, wenn es nicht furchtbar kalt ist.

Alice Springs

Mit der Fähre ging es zurück zum Festland (plus spielende Delfine) und dann zum Flughafen. Es sollte ins rote Herz des Kontinents gehen, nach Alice Springs. Ging es auch. Nach einem kurzen Flug bin ich in meinem Hostel angekommen, das wirklich schön ist, wenn auch angelegt für warmes Wetter. Und das ist wirklich gemein, denn es ist … kalt. Okay, tagsüber, wenn die Sonne scheint, kann man es aushalten, aber morgens ist es sechs Grad. Und ich hab nur meine Fleecejacke und keine lange Hose.

Warum ich weiß, dass es morgens um sechs nur sechs Grad warm ist? Weil ich mit Emu Run eine Tour zum Uluru gemacht habe (früher Ayers Rock genannt, aber seit das Land wieder den Aborigines gehört, wird er Uluru genannt, was Ularoo ausgesprochen wird). Ich wollte eigentlich ja keine soooo langen Touren mehr machen, aber die andere Alternative wäre gewesen, einen Wagen zu mieten und im völlig überteuerten Ayers Rock Resort zu schlafen. Oh, man hätte auch eine 3-Tages-Tour machen können, aber da war Camping inklusive und das wollte ich nicht. Ich schlaf lieber in einem Bett.

Auf dem Weg kommt man am Mount Conner vorbei, der ebenfalls rot und groß ist. Da viele diesen Berg für den Uluru gehalten haben, wird er auch Fooluru gennant. Anders als der Uluru, der ein Monolith ist, ist dieser Berg ein Tafelberg. Viele sind offensichtlich darauf hereingefallen und mussten dann erkennen, dass sie nicht den Real Deal gesehen haben.

Dann waren wir bei den Kata Tjuta, die eine heilige Stätte der Anangu sind, das ist der Stamm, dem das Land jetzt wieder gehört. Wir haben eine kleine Tour gemacht, die ganz nett war. Und dann kamen wir zum Uluru, der schon ziemlich beeindruckend ist. Die rote Farbe ist übrigens Rost, oxidiertes Eisen.

Man kann den Berg immer noch besteigen, obwohl die Anangu darum bitten, ihre heilige Stätte nicht zu besteigen. Leider gibt es immer noch viele, die es tun. Etwa zwanzig Prozent der Touristen tun es. Ich kann das nicht verstehen. Es gibt Pläne, es im nächsten Jahr zu verbieten und ich find das wirklich gut.

Wir sind den Mala Walk gelaufen und zum Mutitjulu Waterhole und Emily, unser Tourguide, hat uns viele tolle Geschichten erzählt. Es ist schon beeindruckend, wie sehr die Kultur der Aborigines mit der Erde verwoben ist. Die Tour endete an der Sunset Viewing Area, aber leider waren Wolken im Weg, weswegen wir das Farbenspiel nicht sehen konnten. Aber der Sekt und das Barbecue waren auch toll.

Von Alice Springs geht es für mich nach Perth und dann hoffe ich, dass es endlich warm sein wird!