Ein besonderes Flair

26. Januar 2017

Schon fünf Tage in Kolumbien und noch nicht entführt worden. Die kolumbianischen Guerilleros sind wohl auch nicht mehr das, was sie mal waren …

Kolumbien gefällt mir bisher richtig, richtig gut.

Vor fünf Tagen sollte um zehn Uhr mein Flieger nach Cartagena gehen. Eigentlich wollte ich mit dem Bus zum Flughafen, wie mir Richard vom Hotel empfohlen hat. Seine Kollegin sagte mir allerdings um halb sieben, dass es zu gefährlich sei und ich lieber mit dem Taxi fahren sollte. Sie hätte auch noch andere, die wollten zur gleichen Zeit zum Flughafen und so könnten wir uns die Kosten teilen. Die anderen wollten dann aber nicht um sieben, sondern um acht fahren und so war ich alleine und durfte die gesamten Kosten alleine bezahlen.

In Cartagena angekommen, bin ich mit dem Taxi zum Hotel El Viajero gefahren. Echt hübsch und nicht teuer, für ein eigenes Zimmer mit Bad und TV. Nach zwei Wochen in Dorms wollte ich mal wieder alleine schlafen.

Cartagena ist eine soooooo schöne Stadt! Die schönste Stadt, die ich bisher gesehen habe. Die Gebäude sind schön, alles ist so gut erhalten, man merkt, dass sich die Leute hier darüber Gedanken gemacht haben. Ausserdem ist es absolut sicher hier, man kann abends noch alleine durch die Strassen laufen ohne komische Gefühle zu bekommen. Und es gibt jeden Abend Musik auf verschiedenen Plätzen.

Ansonsten habe ich hier nicht viel gemacht, ich bin nur durch die Gegend gelaufen und habe das besondere Flair genossen. Hab in Cafés gesessen, kolumbianischen Kaffee geschlürft, der übrigens echt gut ist, welche Überraschung. Und Säfte getrunken auch. Zapote ist meine neue Lieblingsfrucht. Ansonsten hab ich noch Lulo und Guanabana ausprobiert. Letztere wird im Deutschen Sauersack genannt, was nicht ganz so schön klingt wie etwa Guanabana. Aber ich könnte mich irren.

Gestern bin ich dann mit dem Bus nach Santa Marta gefahren. Die Stadt ist ganz normal, nicht schlecht, nicht gut. Aber man kann von hier aus nach Tayrona fahren, wo es die schönsten Straende Kolumbiens geben soll. Man kann von hier aus auch zur verlorenen Stadt gehen. Aber sechs Tage wandern hören sich für mich nicht so großartig an, wie es das für andere tut. Ausserdem sind die letzten Touristen, die in Kolumbien verschwunden sind, auf dem Weg dahin gekidnappt worden. Noch ein Grund mehr. Also vergesst einfach den ersten Grund. Ich hatte nie gesagt, dass ich zu faul für sechs Tage wandern bin …

Nach dem Besuch eines hübschen Fischerdorfs, in dem ich den Finnen wiedergetroffen habe, bin ich mit einer Holländerin nach Santa Marta gefahren.

Am Eingang des Parks haben Soldaten unsere Taschen durchsucht. Manchmal bieten sie einem auch Gras an, wie ich von einem Peruaner erfahren habe. Mir allerdings nicht. Ich sehe wohl nicht nach Kiffer aus. Dann sind wir mit dem rostigsten Auto der Welt – schlimmer als alles, was ich bisher gesehen habe – so weit in den Park gefahren, wie man kann. Danach mussten wir laufen. Aber laufen ist eigentlich nicht das richtige Wort. Klettern, runter rutschen, durch Schlamm waten, sich an den Wänden abstützen sind viel passendere Umschreibungen. Der Weg bestand aus hauptsächlich Matsch und manchmal trockenen Abschnitten. Aber das war nicht alles. Nein, manchmal ragten Felswände neben einem auf und die einzige Möglichkeit, da lang zu kommen, war, einen Fuss gegen die eine Wand zu pressen und den anderen gegen die andere, sich mit den Händen abzudrücken und dann stückchenweise vorwärts. Manchmal ragten die Felsbrocken auch im Weg auf und man musste drüber klettern.

Ihr habt es gewiss schon erraten: Das war der schlimmste Weg, den ich je gegangen bin! Aber ich hatte Glück im Unglueck, denn die Holländerin ist nämlich eine Kletterin, die auch Touren führt. Ohne sie und ihre tatkräftige Hilfe, hätte ich irgendwo geheult. Aber auch so war das eine Erfahrung, die mich echt an die Grenzen gebracht hat. Aber ich habe es ja überstanden. Nach drei Stunden waren wir endlich in Cabo. Dort wurde uns eine Hängematte zum Schlafen zugeteilt. Ja genau, ich find Hängematten ja so toll.

Der erste Tag war dann auch nicht so toll. Es war bewölkt und kalt. Als es dann ans Schlafen ging und ich in meine Hängematte klettern musste, fand ich die Idee noch blöder als im Hellen. Und was soll ich sagen? Man kann in so einem Ding auch nicht schlafen. Ich bin mit den schlimmsten Rückenschmerzen aufgewacht, die ich je hatte. Dazu kamen noch Knieschmerzen vom „laufen“ und Fussschmerzen, weil ich die letzte Stunde barfuss gelaufen bin. Ich wollte eigentlich auch direkt wieder weg. Um elf sollte ein Boot nach Taganga kommen, was aber nicht kam oder ich war zu spät. Es wäre somit das erste Mal in der Geschichte Lateinamerikas, dass etwas früher abgefahren ist und nicht später.

Also noch eine Nacht in der Hängematte. Wieder konnte ich nicht schlafen, wieder tat mir der Rücken weh wie nur was. Ach so, noch was. Am Tag vorher haben wir in einer Bäckerei gefrühstückt und die hatten warmes, gefülltes Brot. An dem Tag hatten sie zum Beispiel – was ich auch probiert habe – Guave mit Käse. Echt lecker.

Jedenfalls habe ich dann am nächsten Morgen um elf wieder auf das Boot gewartet. Die anderen wollten laufen, einen anderen Weg. Der sollte viereinhalb Stunden dauern. Die Idee fand ich blöd. Also wieder aufs Boot gewartet, das auch wirklich kam. Ihr wisst doch, wie es aussieht, wenn man einen flachen Stein übers Wasser flitschen lässt, nicht? Jetzt stellt euch das mit einem Boot vor. Die See war so aufgewühlt, dass das Motorboot über die Wellenberge geflogen ist und dann in die Wellentäler gestuerzt ist. Das hat echt Spass gemacht, aber nach ’ner Weile tut einem der kaputte Rücken noch mehr weh. Angekommen in Taganga hab ich ein Shuttle nach Santa Marta genommen und nun bin ich hier. Die anderen, die Holländerin und drei andere, die wir kennengelernt haben, sind noch nicht wieder hier. Dabei sind sie schon vor sechs Stunden aufgebrochen. Nun ja, ich bin froh, dass ich wieder hier bin. Aber ich bin auch froh, dass ich das Abenteuer mal wieder bewältigt habe. Wie schon so oft, denke ich rückblickend: War das cool. Der Weg war sehr anstrengend, aber ich bin froh, dass ich das gemacht habe.

Am nächsten Tag bin ich nach Taganga gefahren, zu einem Fischerdorf. Dort wollte ich den Finnen samt Freundin wiedertreffen. Abends bin ich mit der Holländerin Pizza essen gewesen. Direkt neben dem Hotel hat ein Italiener Pizza aus dem Fenster verkauft. Er hat uns Stühle durchs Fenster nach draußen gereicht, damit wir sitzend warten können und dann kam die Pizza: Ach, ein Gedicht! Nach zuviel schlechter Pizza eine original italienische Pizza. So lecker!

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