Honduranische Experimente

26. Januar 2017

Email vom 7.12.2008:

Jetzt bin ich also im gefährlichen Honduras und muss euch mal wieder sagen, es ist alles ganz anders als alle denken. Nirgendwo sind die Menschen freundlicher, offener, hilfsbereiter. Außer natürlich in den ebenso gefährlichen Staaten Guatemala und El Salvador.

Wo waren wir bei unserer Geschichtsstunde stehen geblieben? Ach ja, während der Revolution. Also nachdem ich dann ja am Montag nicht den Bus nach Honduras nehmen konnte, weil er ja nicht kam (man muss Lateinamerika einfach lieben), bin ich am Dienstag um 6.30 Uhr losgefahren. Die Straße kann man eigentlich nicht als solche bezeichnen. Das Etwas schlängelte sich durch den honduranisch/salvadorianischen Nebelwald, den man doch eigentlich als Regenwald bezeichnen kann, denn zum ersten Mal auf meiner Reise hat es geregnet. Und das obwohl ich ja gar keinen Regen bestellt hatte. Die „Straße“ bestand somit nur noch aus Matsch und ich wundere mich ganz ehrlich, dass der Bus nicht irgendwo stecken geblieben ist.

Dann waren wir an der Grenze und niemand hat meinen Pass kontrolliert. Ich befürchte, dass ich illegal in Honduras bin. Man bekommt sowieso keine Stempel hier, da Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua ein Abkommen haben, mit dessen Hilfe sie eine Touristenkarte für 90 Tage ausstellen, die dann für alle vier Länder gilt. Also gehe ich mal davon aus, dass das nicht so schlimm ist.

In Marcala habe ich dann auf den Bus gewartet. Ich war in einem Cafe und die Besitzerin sagte mir, der Bus würde direkt am Fenster vorbei fahren und ich könnte dort warten. Außerdem würde der Bus in einer halben Stunde kommen. Dann hat sie mir – nachdem sie meine Nationalität erfahren hat – berichtet, dass momentan zwei Deutsche in Marcala wohnen und arbeiten. Und keine zehn Minuten später tauchte der eine auch auf. Er macht seinen Zivi im Ausland. Sehr interessant. Wir haben uns ein bisschen unterhalten und nachdem der Bus nach einer Stunde noch immer nicht da war, hat er mir geraten, zum Ortsausgang zu laufen und dort einen Pick-Up nach La Esperanza zu nehmen. Also trampen. Aber auch nicht so richtig, weil man Geld bezahlen muss. Es ist also eine Mischung aus trampen und Taxi. Wird trampen überhaupt so geschrieben?

Als ich dann an besagter Ecke ankam, standen da bereits vier Herren, denen ich sagte, wo ich hinwill und die sich daraufhin für mein Wohlbefinden verantwortlich fühlten und mich auf die richtige Ladefläche gesetzt haben. Plus meinen Rucksack. Später wurden noch Möhren eingeladen und ich musste eine halbe Stunde auf der Ladefläche stehen, aber ich wollte ja Abenteuer.

In La Esperanza hab ich dann direkt einen Bus nach San Juan bekommen – womit ich nicht gerechnet hatte – und dort den Bus nach Gracias. Der Busfahrer des ersten Busses hat den Busfahrer des zweiten Busses angerufen, damit er auf mich wartet. Gracias ist hübsch und klein, aber eigentlich ist hier nicht viel los. Außer Stromausfall. Aber dann ist ja eigentlich auch nichts los.

Mit drei weiteren Bussen bin ich schließlich nach Copán Ruinas gekommen. Abends war ich mit einer Irin, einem Holländer und einem Australier was essen, dann was trinken und dann noch was trinken und es war halb zwei. Gestern war ich dann mit einer Schwedin bei den Ruinen. Sehr schön, sehr klein, sehr ruhig, nicht viele Touristen. Und abends dann mit Schwedin, Australier und Holländer was trinken und zu einer zweiten Runde nur mit Australier und Holländer. Der Holländer liest keine Bücher und der Australier findet es normal, dass er – wie alle anderen hier – seinen Müll aus einem fahrenden Bus schmeisst, wenn kein Mülleimer zur Verfügung steht. Am ersten Abend haben wir ihn alle dafür angemeckert und dann hat er gestern zwei Kilometer weit seinen Abfall getragen, um ihn dann in eine Mülltonne zu schmeissen. Dann hat er auch noch Müll vom Boden aufgesammelt, um Kredit zu haben.

Tja, hier wird es doch echt nicht langweilig.

Am Sonntag nachmittag war ich mit dem Australier in Macaw Mountain, einem Vogelpark in der Nähe von Copan Ruinas. Da fliegen jede Menge Papageien durch die Gegend, in riesigen Käfigen oder auch frei. Da sie gefüttert werden, hauen sie nicht ab. Der tollste Teil war natürlich der interaktive Bereich. Hier gab es nämlich jede Menge Papageien, die lieb waren und deswegen durften sie auf Schultern und Armen sitzen. Ich fand das natürlich klasse und hatte dann direkt auch drei Riesen-Aras auf mir drauf. Mein Begleiter hatte – Gott sei Dank – Batterien in seiner Kamera und konnte deswegen tolle Aufnahmen machen.

Am Montag bin ich dann mit der Schwedin nach San Pedro Sula gefahren und dort sofort in einen Bus nach Tegucigalpa. Beide Städte sind hässlich wie sonst was. Ich frag mich ehrlich, warum alle Hauptstädte hier den Charme einer Plattenbausiedlung haben. Nun ja, man muss sich ja nicht lange aufhalten. In Tegucigalpa haben wir dann übernachtet und waren in einem Restaurant essen, das sehr berühmt ist. Vor wie vielen Jahren auch immer wurde nämlich eine kleine, winzig kleine Jungfrau-Maria-(oder wer auch immer)-Statue gestohlen und nachdem das ganze Land wie verrückt danach gesucht hat, haben sie die Statue in der Herrentoilette dieses Restaurants gefunden. Jetzt ist die Toilette ein Schrein. Nur in Lateinamerika.

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