Im Land der großen Seen

26. Januar 2017

Email vom 14.12.2008:

Managua, die nicaraguanische Hauptstadt reiht sich ein in die Hässlichkeit, ist wohl aber nicht ganz so gefährlich wie die anderen Hauptstädte. Von Managua aus sind wir nach León gefahren. Die Stadt war 200 Jahre lang die Hauptstadt und in der Zeit der Revolution eine Hochburg der Sandinistas. Praktisch die gesamte Stadt hat gegen Diktator Somoza gekämpft, das hat sie mir doch gleich sympathisch gemacht. Eigentlich wollte ich ja Vulcano Surfing machen, aber ich bin froh, dass ich das sein gelassen habe, denn die Donnerstags-Tour war doch ein wahres Blutbad.

Erst einmal die Definition: Man kraxelt einen Vulkan hoch, dann zieht man einen orangen Schutzanzug an, setzt sich auf eine Art Schlitten und fährt dann mit 60 kmh den Lavasand herunter. Dabei spritzen einem Steine in Mund, Nase, Augen und Ohren. Man kann nicht bremsen.

Soweit der Spaß. Nur leider sind viele bei den hohen Geschwindigkeiten vom Board gekippt und dann den steilen Berg runtergerollt. Insgesamt drei Herren, die sich echt schlimm verletzt haben. Gemma, die Dame vom Hostel, war total geschockt und hat gesagt, dass sie in all den Monaten noch nie solche und so viele Verletzungen haben.

Nun seien wir mal ernst: Wäre ich da runter gefahren, hätte ich jetzt einen blutigen Körper mit jeder Menge Lavageröll drin.

Nun gut. Stattdessen habe ich nichts gemacht, was sehr viel sicherer war. Oh, ich hab ja wohl was gemacht! Die Abende mit vier Schwedinnen verbracht und jeder Menge Mojitos, ebenso wie Karaoke in einer Bar. Das einzige englische Lied was sie hatten, war Hotel California, das wir dann alle zusammen gegrölt haben. Dann kamen drei alte Männer zu uns und sagten, sie wären so einsam und würden niemanden kennen, ob sie sich nicht zu uns setzen könnten. Ich hab ja nichts gegen alte Männer, aber gegen unsympathische schon. Ich bin dann auch recht früh gegangen, während die anderen eine hitzige Diskussion (ach so, die Männer waren Amis) über Kuba geführt haben, die in viel Geschrei und bösem Blut geendet hat.

Aber wer ist auch so blöd mit Amis über Kuba zu diskutieren? Und noch dazu mit ehemaligen Soldaten …

Am nächsten Tag sind wir dann nach Granada aufgebrochen. Da sich meine Reisebegleitung nicht gut fühlte, bin ich alleine aufgebrochen und zu Las Isletas gefahren. Das sind 365 Inseln (eine für jeden Tag des Jahres), im Lago de Nicaragua, die teilweise besiedelt sind. Mit reichen Menschen, aber auch mit armen Fischerfamilien. Meine Führerin ist eine Opernsängerin, die in alter Tracht die Führung abgehalten hat. Das war schon cool. Jedenfalls gibt es hier auch die Affeninsel, auf der vier Affen leben. Wir sind mit dem Boot ganz nah rangefahren und die Führerin sagte: Und manchmal beißen die Affen … Und schwupps kam einer der Affen aufs Boot geklettert, schwang sich an den Stangen hin und her und setzte sich dann auf meinen Schoß, presste seinen Kopf gegen meinen Busen und umarmte mich. Das einzige Foto was ich davon habe, ist eines, auf dem ich recht verschreckt schaue, schließlich wollte ich nicht gebissen werden. Nachher (was natürlich nicht dokumentiert wurde) war ich doch sehr mutig und hab es genossen.

Einen Tag nach meiner Affen-Tour bin ich mit dem Bus nach Rivas gefahren und dann mit der Fähre zur Isla de Ometepe, einer Vulkaninsel im Lago de Nicaragua. Den ersten Tag haben wir gar nichts gemacht. Nur den Sonnenuntergang auf dem Bootssteg mit einem Bier genossen (also die anderen haben das getan. Ich hatte eine Cola.  Also Coca Cola, nur cola heisst hier männliches Geschlechtsteil in vulgär).

Am nächsten Tag bin ich vier Stunden über die Insel gelatscht und doch nirgendwo angekommen. Dann waren wir im See schwimmen und haben einmal mehr den Sonnenuntergang bewundert. Der nächste Tag war dann schwimmen und Busfahrt nach Moyogalpa, von wo die Fähre wieder ablegte. Um sechs Uhr morgens haben Alex, die Schwedin und ich die Fähre genommen, sind mit einem Taxi zur Grenze gefahren und dann in strömenden Regen die ein Kilometer lange Grenze langgelaufen. Und dann war ich in Costa Rica und wartete sehnsüchtig auf meine Lieblingsmädels.

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