Oamaru oder das Warten auf die Pinguine

14. März 2018

Wer immer behauptet, ein vierundzwanzigstündiger Flug könnte lustig sein, sollte sofort auf seinen Geisteszustand überprüft werden. Es ist anstrengend. Auch, wenn man einfach nur sitzt. Auch, wenn man auf dem ersten Flug nach Dubai das Glück hat, das die Maschine so leer ist, dass man sich auf eine Viererreihe legen kann. Aber danach kamen ja die fast vierzehn Stunden nach Sydney … Aber wir haben es überlebt und das ist die Hauptsache. Wir sind zu ein wenig Regen gelandet und dann ins Hotel gefahren. Gott sei Dank war es schon Nachmittag, sodass wir nicht allzu lange warten mussten, bis wir schlafen gehen durften.

Christchurch

Nach den beiden Erdbeben erholt sich die Stadt langsam wieder. Ein Zeichen dafür sind die vielen tollen Streetart-Projekte, die überall zu sehen sind. So viele tolle Graffiti sind überall an den Fassaden zu sehen, das man beinahe über die Lücken im Stadtbild hinweg sehen könnte. Diese werden vor allen Dingen durch Parks gefüllt, was ich eine wirklich gute Idee finde, obwohl ich Christchurch bereits heute für eine sehr grüne Stadt halte. Vor allem der botanische Garten ist sehenswert mit seiner Vielzahl an Bäumen, u.a. kalifornische Redwoods und Zypressen.

Wir haben auch eine Hop on/Hop off-Tour mit der Straßenbahn gemacht und so einige schöne Ecken gesehen, die wir uns wahrscheinlich nicht erlaufen hätten. Abends fand das Chinesische Laternenfest statt. Es waren allerdings so viele Menschen unterwegs, dass wir uns frühzeitig zurückgezogen haben. Jetlag und so. Das malaysische Essen war allerdings sehr lecker.

Am nächsten Tag haben wir Christchurch in Richtung Süden verlassen.

Oamaru

Die Fahrt nach Oamaru begann spannend, weil wir unseren Mietwagen abholten. Ich war sehr nervös und richtig am Schwitzen, weil ich noch nie absichtlich auf der falschen Seite gefahren bin. Unabsichtlich auch nicht. Glaube ich. In der Stadt konnte ich mich noch an den anderen Autos orientieren und als wir dann erst mal auf dem Highway 1 waren, ging es viel leichter. Allerdings mache ich ständig den Scheibenwischer an, statt den Blinker. Die sind nämlich auch seitenverkehrt.

Als erstes führte uns unser Weg zum Little Red School House, eine halbe Stunde von der Stadt entfernt, inmitten von grünen Hügeln, Schafen und dem beeindruckendsten Sternenhimmel, den ich je gesehen habe. Weil das Wetter wunderschön war, haben wir den Nachmittag in der Sonne verbracht und es uns gut gehen lassen.

Am nächsten Tag ging es dann in die Stadt, vor allem in das viktorianische Viertel, in dem auch das Steampunk Headquarter ist. Diese wenigen Straßenzüge sind wunderschön angelegt und beherbergen u.a. die Tiny Free Library, eine alte Bäckerei, einen Steinmetz und viele andere Geschäfte, die einen Blick lohnen.

Daneben sind es die Pinguine, die hier das Highlight sind. Um etwa sechs Uhr abends sind wir zur Bushy Beach Road gefahren, wo man von einer Plattform Gelbaugenpinguine sehen können soll. Aber leider haben sie sich nicht gezeigt. Der Strandabschnitt war aber auch ohne Pinguine wunderschön und so hat uns das vergebliche Warten fast nichts ausgemacht.

Um acht ging es dann zur Zwergpinguinkolonie. Wir hatten Premiumsitzplätze gebucht (Mama wusste nichts davon) und so sind diese winzig kleinen Gesellen in nur drei Metern Entfernung an uns vorübergezogen. Das war wirklich mit das Niedlichste, was ich je gesehen habe. Wie sind so süß gewatschelt, haben sich geputzt und aufgeplustert und es war einfach nur wunderbar. Leider durfte man keine Fotos machen. Wir haben das natürlich verstanden, aber so nah hätten wir selbst mit dem Handy tolle Fotos machen können (wir haben das Ladegerät für die Kamera vergessen. Also Mama ;-)).

Das einzige, was die Sache noch besser gemacht hätte, wäre, wenn ich einen mit nach Hause nehmen dürfte …

Moeraki

Die Moeraki Boulders hatte ich mir ein wenig spektakulärer vorgestellt. Sie sind schick, aber ich hätte mir mehr erwartet. Mama sagt, es seien Boule-Kugeln von Riesen. Ich persönlich glaube, es sind Dracheneier. Wer Recht hat? das weiß natürlich wieder niemand.

Otago Peninsula

Der Weg zum kleinen roten Schulhaus war schon ein wenig abenteuerlich, aber der Weg zur Otago Halbinsel hat es ebenfalls in sich. Auf dem Weg zum Seaton Retreat in Portobello meinte Mama: »Was hast du denn jetzt schon wieder ausgesucht? Du und deine Wege.« Kann ich denn was dafür, wenn man die schönsten Orte erst nach einer Anstrengung erreicht?

Am ersten Nachmittag sind wir zum Larnach Castle gefahren, dem einzigen Schloss in Neuseeland. Es wurde und wird immer noch liebevoll restauriert und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Nicht nur wegen des Hauses, sondern auch wegen des schönen Gartens, in dem viele bunte Blumen und Pflanzen wachsen. Teilweise fühlt man sich wie im Dschungel.

Am nächsten Tag haben wir eine Bootstour mit Monarch Wildlife Cruises gemacht, auf der wir Seelöwen, Seehunde, Albatrosse und Riesensturmvögel gesehen haben. Die Northern Royal Albatrosse haben hier ihren einzigen Brutplatz auf dem Festplatz. Sie haben mindestens eine Spannweite von drei Metern und verbringen ihr Leben mit einem einzigen Partner. Mindestens sechs sind über unseren Köpfen geflogen.

Nach einem Besuch im Albatross Center, wo wir schwimmende Seehunde gesehen haben, sind wir zur Sandfly Bay gefahren. Wir sind nicht bis nach unten gewandert, sondern haben den Blick von oben genossen. Diese Farben! Ein Traum. Danach sind wir zum Penguin Place gefahren, um doch noch Gelbaugenpinguine zu sehen. Sie sind die am stärksten bedrohte Pinguinart weltweit und es gibt nur noch zwischen 1.600 und 1.800 Exemplare, von denen 700 auf der Südinsel leben. Angegliedert ist auch ein Krankenhaus, um die Pinguine zu versorgen.

Um sie im Reservat zu beobachten, muss man durch Schützengräben wandern, damit man die Vögel nicht ängstigt. Neben den Pinguinen gibt es hier auch noch Seehunde zu beobachten.

Alles in allem eine tolle erste Woche mit grandiosem Wetter. Morgen geht es in Richtung Milford Sound.

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