Oh, wie schön ist Panama!

26. Januar 2017

Email vom 11.1.2009:

Der kleine Tiger und der kleine Bär hatten wohl recht. Panama ist oh wie schön! Die größte Touristenattraktion ist Bocas del Toro und zieht jährlich Scharen von Touristen aus Amerika und Europa an. Doch leider muss ich sagen, ich hab keine Ahnung weshalb. Es gibt nur einen schönen Strand und dafür muss man mit dem Bus fahren. Na gut, man kann hier jede Menge Seesterne sehen und das ist ja was besonderes, weil die echt riesig sind, aber die kann man auch unter dem Steg nahe der Stadt sehen. Dafür braucht man also nicht über die ganze Insel reisen. Der Stadtstrand wird Sandfly Bay genannt. Hört sich nicht nach ’nem Ort an, an dem man gerne sein möchte, oder? Ich jedenfalls nicht und daher bin ich nach einem Tag abgereist. Falls ich euch das schon erzählt habe, tut es mir leid. Ich werde auch nicht jünger.

Dann bin ich nach David gefahren oder wisst ihr das auch schon? David wirkt wie eine kleine Stadt, ist aber die zweitgrößte Stadt in Panama. Abgestiegen bin ich im Purple House und ja, es ist über und über lila. Nicht nur die Wände von außen und von innen und die Mauer und die Ziersteine am Rand, auch die Stühle, die Tische, die Schränke, die Bettwäsche, die Kleidung der Angestellten, das Spüli, die Messer, die Gläser und auch die Schleife von Cute-Si, dem Hund des Hauses. Ich habe noch nie so viel lila auf einem Haufen gesehen.

Abends habe ich einen Finnen, eine Isländerin, eine Kanadierin und eine Engländerin kennengelernt, die am nächsten Tag nach Boca Brava wollten, einer fast einsamen Insel im Pazifik in einem Marinepark. Es gab nur ein Hotel auf der Insel und wir haben auf Matratzen auf dem Dachboden geschlafen. Die ganze Nacht sind Fledermäuse ein- und aus geflogen. Gibt es einen besseren Ort zum Schlafen? Und das meine ich echt Ernst. Nachdem wir den Nachmittag an einem einsamen Beach rumgehangen haben, haben wir Essen bestellt, sind Duschen gegangen und mussten danach immer noch eine Stunde warten. Mañana, Mañana.

Am nächsten Tag war ich dann auf dem Schnorchel-Trip und wie wir ja wissen, habe ich dafür ein echtes Talent und habe daher einen Barrakuda gesehen. Ich wusste aber nicht, dass es einer war und hatte daher auch keine Angst. Erst im Nachhinein als ich den Fisch beschrieben habe und mir jemand sagte, dass war ein Barrakuda bekam ich Angst. Rückwirkend war sie aber nicht so schlimm … Und dann kamen die Delfine. Nachdem ich unzählige Trips gemacht habe, um Delfine zu sehen, und nie welche gesehen habe, tauchten sie hier plötzlich auf. Drei Stück, die neben dem Boot hergeschwommen und hergesprungen sind. Ich war im Himmel.

Nach zwei Nächten ging es zurück nach David ins Purple House. Da war immer noch alles lila …

Am nächsten Tag bin ich mit zwei anderen nach Boquete gefahren, einem super schönen Berg-Städtchen. Zuerst waren wir in einem Garten, den irgendjemand mit viel zu viel Zeit angelegt hat. Es war echt nett, allerdings haben mir die Goldfische im Swimming Pool nicht so sehr gefallen. Danach habe ich zwei Holländerinnen kennengelernt, mit denen ich bei einer Tier-Rettungs-Station gewesen bin. Die hatten Affen, Papageien, Kakadus, Wildkatzen. Viele der Tiere werden wieder ausgesetzt, wenn sie gesundet sind, aber manche können nicht mehr ausgewildert werden, weil sie zuvor zu lange in Gefangenschaft gelebt haben. Wie zum Beispiel die Tukane. Um sich einen Tukan als Haustier zu besorgen, muss man die Mutter töten und das Junge aus dem Nest stehlen.

Abends waren wir zusammen mit einer dritten Holländerin und zwei Australiern essen und in einer Bar in die nur die Locals gehen. Für drei Cuba Libre habe ich $2 bezahlt. Was ein Leben …

Jetzt bin ich schon seit zwei Tagen in Panama City, auch als Miami von Panama bezeichnet, allerdings wird hier mehr Englisch gesprochen als in Miami … Kleiner Scherz am Rande. Gestern war ich mit dem Finnen, den ich hier wiedergetroffen haben, im Kino. Yes Man. Was auch immer der Deutsche Titel ist. War lustig, aber ich kann ja Jim Carrey nicht leiden. Trotzdem ganz gut.

Heute war ich beim Panama Kanal, ein echtes Wunderwerk. Ich hab ein riesiges Schiff gesehen, das sich durch das Nadelöhr gezwängt hat. Allerdings geschieht das alles so unglaublich langsam, das man zwischendurch einzuschlafen meint. Ich habe jedenfalls eine Million Videos gedreht, damit ihr euch die Slowmotion auch anschauen könnt. Mal schauen, wann ich das hochspiele. Danach war ich in Havanna. Kein Witz. Havanna liegt nicht mehr auf Kuba, sondern in Panama City. Zumindest wenn man in die eine Richtung blickt, die andere ist ja Miami.

Dann wollte ich mit einem Taxi zurück und der Fahrer hat doch tatsächlich gesagt $5. Da bin ich gegangen. Er ist noch ’ne Weile neben mir hergefahren, aber ich hab auf den Schwachsinn nicht mehr reagiert. Dann hab ich einen Einheimischen nach nem Bus gefragt und er sagte, ich solle lieber mit dem Taxi fahren. Ich sagte, die wollen $5 und er sagte, Unsinn, das sagen sie nur zu Touristen. Also hat er mir ein Taxi gerufen und ich musste nur $1,50 bezahlen. So läuft das hier. Blonde Haare (die behaupten alle ich wäre blond) und schon wird man abgezockt.

Vielleicht wird es doch noch was mit meinem Segeln nach Kolumbien. Am Donnerstag gibt es ein Boot. Aber ich glaube, ich mach das nicht. Also es kommt darauf an, ob ich einen günstigen Flug finde. Wenn der tatsächlich nur 150$ kostet, dann mach ich das. Muss ich gleich noch rausfinden. Beides, Flug und Boot landen in Cartagena im Norden Kolumbiens.

Am nächtsen Morgen holte mich ein Taxi um fünf Uhr morgens ab, um mich ins Paradies zu bringen. Der Weg nach Elysium ist allerdings recht abenteuerlich, man muss nämlich mit dem Jeep mehrere Flüsse durchqueren.

Angekommen am Meer kam uns ein kleines Boot abholen, welches uns zur Carti Insel bringen sollte. Das ist eine der Wohninseln der Kuna. Die Kuna sind eine indigene Gruppe in Panama und als einzige in Mittelamerika, vielleicht auch ganz Lateinamerika, leben sie in Autonomie. Über alle Gesetze, die die Comarca Kuna Yara betreffen, entscheidet der Kongress eigenständig, was dazu führt, dass etwa jede Woche die Einreisebestimmungen für Touristen geändert werden. Ich hatte Glpck. Ich durfte rein und musste auch nur $2 bezahlen.

Die Wohninsel ist echt überbevölkert. Bis an den Rand stehen Häuser mit Plamdächern und es gibt keinen Strand. Aber man will dort wohl auch nicht schwimmen, denn die Toiletten sind kleine Hütten über dem Wasser. Da es erst neun Uhr morgens war, wurden wir sofort wieder auf ein Boot verladen und zu einer Schwimminsel gebracht, die wieder einmal das Paradies war. Der Weg war abermals abenteuerlich, denn wir sind alle nass geworden und wenn ich nass sage, dann meine ich nass. Kein Zentimeter Kleidung an meinem Leib war noch trocken, aber ich hatte ja um Abenteuer gebeten …

Den ganzen Tag sind wir geschwommen, geschnorchelt, haben am Strand gelegen, Kokosnüsse gegessen und Mittagessen (das wurde uns mit einem Schiff gebracht). Abends wurden wir wieder abgeholt und zurück zur Schlafinsel gebracht. Dort kam es zum Duschen. Die Dusche bestand aus einer Wassertonne mit einem Margarinentöpfchen. Ich betete für kurze Haare, doch es war leider eine Qual den Schaum aus langen Haaren herauszubekommen.

Geschlafen wurde dann aber in normalen Betten. Der nächste Tag verlief eigentlich genauso: Frühstück; Fahrt zu einer anderen Schwimminsel; Entdeckung des Paradieses; Schwimmen; Schnorcheln; Essen; Zurückfahren; fliegende Fische sehen; Abendessen. Der dritte Tag verlief anders, denn nach dem Frühstück wurden wir wieder zu unserem Hotel in Panama City gebracht. Das erste, was ich gemacht habe, war zu duschen. Mit einer richtigen Dusche, auch wenn das Wasser kalt war. Aber in heißen Gegenden ist warmes Wasser eh überbewertet.

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