On the road in Mexico

26. Januar 2017

Allererste Email nach Hause vom 3.11.2008:

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Zum Beispiel aus dem Bus fallen. Ich fand es gar nicht so lustig, wie es jetzt vielleicht klingt. Ich wollte also heute morgen mit dem Bus zum Bus-Terminal fahren, weil ich dachte: „Ach nee, 3 Dollar für ein Taxi kannst du dir sparen.“ Es war sowieso schon eine Schwierigkeit in den Bus hineinzukommen mit all dem Kram, aber heraus war dann unmöglich, oder besser normal aussteigen war unmöglich. Den großen Rucksack vor mir her schiebend, den kleinen auf dem Rücken, in der Hand meine Jacke versuchte ich es dennoch. Die erste Stufe klappte gut, doch dann bin ich auf die Gurte des Rucksacks getreten und die letzten drei Stufen gefallen. Abgestützt mit der Hand und dem Arm und jetzt schmerzhaft erinnert, dass so was nie eine gute Idee ist. Nun ja, jetzt ist mein Handgelenk geschwollen, meine Schulter tut weh, an meiner Hand sind Abschürfungen, aber es ist nichts Schlimmes passiert, wie mir Dr. Marco im Hospital Carmen mitteilte. Ich dachte, es ist besser es abklären zu lassen.

Aber nun mal von Anfang an.

Ich war also in Mexico City angekommen. Eigentlich wollte ich dann am Donnerstag noch abends was essen gehen, aber stattdessen bin ich schlafen gegangen. Eigentlich war es so: Fünf Uhr – Ich leg mich mal nur kurz hin und steh in einer Stunde wieder auf … Sieben Uhr – Ach nee, ich zieh mich lieber aus und schlaf weiter.

Am Freitag bin ich dann wie angekündigt nach Teotihuacan (Teh-oh-ti-wa-kahn) gefahren. Hier steht unter anderem die Sonnenpyramide, die dritthöchste Pyramide der Welt. Es sind 280 Stufen bis oben und die Aussicht ist auch nach zwei Dritteln des Weges schon schön.

Wer die Tempel gebaut hat, ist unbekannt – soweit ich weiß. Jedenfalls soll es die grösste Anlage dieser Art hier sein. Und sehr gut erhalten. Hier gab es jedenfalls genug Mauern, um auch einfach mal die Beine baumeln zu lassen.

Am Samstag morgen bin ich dann mit dem Bus nach Oaxaca (Oh-haka) gefahren. Die Fahrt hat sechs Stunden gedauert. Die Landschaft war echt schön. Tiefe Schluchten, hohe Berge, überall Kakteen und irgendwelche Ziegen, die allen Gesetzen der Schwerkraft zum Trotz auf beinahe senkrechten Felswänden ihr Futter suchten.

Ich bin im Hostal Santa Isabel untergekommen, was ein budget-traveller-highlight sein soll. Nun ja, es war zumindest voll und nur noch ein „Zimmer“ war frei. Dieses verdient den Namen jedoch nicht wirklich. In einem Schlafsaal führte eine Art Hühnerleiter (mit ein bisschen Treppe dabei) nach oben. Rechts und links waren zwei kleine Verschläge in die nur ein Bett passte und nicht wirklich mehr. Das Bett war dann aber doch bequem. Nur die Duschen wollte ich nicht benutzen.

Ich bin erst abends angekommen und da waren die Festivitäten gerade im vollen Gange. Es ist „Dia de Muertos“, wie ich nun weiß. Ganz verrückt, bestimmt typisch mexikanisch. Jedenfalls war es echt interessant, das mal gesehen zu haben.

Dann hab ich in meiner Box geschlafen. Heute war ich dann nach meinem Unfall in Tlacolula. Eigentlich sollte es hier einen grossen Markt geben, aber der war ganz klein. Mir wurde auch die oaxacanische Spezialität angeboten: Frittierte Heuschrecken. Wie gut, dass ich mich hinter meinem fleischlosen Dasein verstecken konnte.

Anschließend bin ich mit dem Bus nach San Cristobal gestiegen. Die Fahrt war die HÖLLE, aber San Cristobal ist einfach toll! Es ist ein kleines Städtchen im Hochland und mitten im Maya-Gebiet. Am ersten Tag habe ich nichts gemacht, also fast nichts. Ich war nämlich in der Bar Revolucion und habe mit einem australischen Pärchen einen Mojito getrunken. Die beiden waren auf dem Weg nach Kuba. Eigentlich war das ihre Hochzeitsreise, aber irgendwie haben sie sich doch über Gesellschaft gefreut. Wir wollten uns am nächsten Tag wieder treffen, aber ich war noch auf einer Tour und später waren sie nicht mehr da.

Nächster Tag: Ich bin morgens zum Marktplatz gelaufen und habe nach einem bunten Schirm gesucht. Warum? Weil jeden Morgen um neun die Leute von Mercedes Tours dort mit einem bunten Regenschirm warten, um Touristen in die Indianer-Dörfer der Umgebung zu bringen, namentlich San Juan Chamula und Zinacatan. Alberto, der Führer, ist ein echt lustiger Kerl und hat jede Menge interessante Sachen zur Maya-Religion und Astrologie etc. erzählt. In San Juan Chamula leben vor allem Tzotzil (ich hoffe, ich hab’s jetzt nicht verwechselt) und die haben eine ganz eigene Religion. Es wird gesagt, es ist eine Mischung aus Katholizismus und Maya-Religion, aber eigentlich gibt es kaum Katholizismus. Aber sie benutzen auch eine Kirche.

Diese Kirche ist ganz mit Pinien-Nadeln ausgelegt, damit man näher bei den Heiligen ist. Um um göttlichen Beistand zu bitten, müssen sie Opfer bringen. Früher mussten sie dazu Blut opfern aus dem Ohr, dem Finger oder dem Penis, heute reicht es, einem Huhn den Hals umzudrehen. Hab ich nicht gesehen, wollte ich aber auch nicht. Dabei trinken sie Coca Cola, Sprite oder ähnliches, was ein heiliges Getränk darstellt. Man darf weder in der Kirche fotografieren, noch die Menschen hier, weil sie glauben, dass man ihnen ihre Seele raubt.

Auf dieser Tour habe ich drei Deutsche kennengelernt. Sie kommen aus München und Aachen. Abends waren wir zusammen Tacos essen und danach waren wir wieder in der Revolutions-Bar und haben Cocktails getrunken. Lecker, lecker.

Am nächsten Tag bin ich zum Cañon del Sumidero gefahren. Mit einem Boot fährt man den Fluss entlang und sieht die Wände einen Kilometer in den Himmel ragen. Ausserdem gibt es hier Krokodile, die um einen herum schwimmen.

Später habe ich mich dann mit den drei anderen zum Essen getroffen und am nächsten Tag sind wir gemeinsam nach Palenque gefahren. Auch diese Fahrt war einfach furchtbar! Sie kam mir noch länger vor als die nach San Cristobal, dabei war sie nur halb so lang. In Palenque angekommen, sind wir in das Dschungeldorf El Panchan gefahren, um hier in einer Dschungelhütte zu schlafen. Das war ein kleines Teilchen, ganz von Moskitonetzen eingezäunt. Es war echt aufregend, ein kleines Abenteuer.

Am nächsten Tag waren wir bei den Ruinen in Palenque. Nachdem wir uns bestimmt 100 Menschen erwehrt haben, die alle unser Guide sein wollten, sind wir alleine durch die Ruinen gewandert, vorbei an Wasserfällen und Hängebrücken (und auch drüber). Dabei haben wir uns gegenseitig vorgelesen, was in unseren jeweiligen Reiseführern stand. War echt toll! Langsam durch die alten Ruinen zu laufen. Palenque gilt als die schönste aller Maya-Ruinen und dem muss ich bisher zustimmen.

Am nächsten Tag waren wir in Misol-Ha und Agua Azul. Ersterer ist ein riesiger Wasserfall. Man kann auf einem rutschigen Weg auch dahinter lang gehen. Man wird ganz schön nass, aber es war auch total toll!

Agua Azul ist eine Wasserfall-Becken-Mischung. Hier kann man auch schwimmen gehen, was wir auch sofort gemacht haben. Das Wasser war echt erfrischend, aber nicht kalt. Diese Wasserratte hier hätte es Stunden dort ausgehalten. Abends sind wir dann zurückgefahren und haben dann ganz unmexikanisch Pizze gegessen. Danach haben wir erst Uno und dann Macke gespielt. Kannte ich auch nicht – also letzteres -, aber es war schon lustig und ich hab gewonnen!

In der Nacht wurde ich plötzlich durch irgendwas wach. Erst hab ich gedacht, es war ein Tiger. Dann ist mir klar geworden, dass es in Mexiko keine Tiger gibt und ich war beruhigter. Aber das hat sich angehört!! Nicht zu fassen! Das war so laut! Die anderen sind auch aufgewacht und wir waren alle einen Moment erschrocken, doch dann wurde uns klar, dass auf dem Baum direkt vor unserer Cabaña ein paar Brüllaffen ihr morgendliches Unwesen trieben. Ich hab nie im Leben gedacht, dass solch kleine Viecher solch einen Lärm machen können, aber es ist möglich. Ein Rockfestival ist nichts dagegen.

Dann musste wir uns von zweien verabschieden. Die beiden sind weiter nach Yucatan gereist und ich wollte nach Guatemala. Die andere Deutsche auch, also verbringen wir noch ein paar Tage zusammen. Sie ist noch nicht hier, weil sie noch einen Schlenker nach Bonampak und Yaxchillan machen wollte, was mir zu teuer und unaufregend war.

Jedenfalls musste ich mit einem Boot übersetzen und ich dachte immer, es gäbe einen Unterscheid zwischen einem Boot und einer Nussschale, aber das ist wohl nur in Deutschland der Fall. Mit einer Nussschale voller Gepäck und Menschen musste ich eine halbe Stunde im Niemandsfluss zwischen Mexiko und Guatemala herumschippern.

Auf der Schotterpiste in Guatemala hatte der Bus dann eine Reifenpanne und der Reifen musste gewechselt werden. Nach vier Stunden Fahrt war ich dann im Hostel Los Amigos und fühle mich hier echt wohl. Morgen geht’s nach Tikal! Darauf freue ich mich auch schon.

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