Kolumbien, meine Liebe

26. Januar 2017

Email vom 10.2.2009:

Tja, was soll ich sagen: Kolumbien läßt einen nicht los, wenn man erst mal da ist. Und ich bin mir 100, nein 1000 Prozent sicher, dass ich wieder kommen werde. Ach, ich liebe Kolumbien! Warum? Weil das Land einfach toll ist, die Leute so freundlich und hilfsbereit sind.

Nach meinem Ausflug nach Venezuela hatte ich die Grenze hinter mich gebracht und war in Cucuta. Eigentlich ein bisschen langweilig, aber zum Ausruhen genau richtig. Von hier aus ging es nach Bucaramanga, einem Zwischenstopp auf dem Weg nach San Gil.

Dort kam ich wie erhofft im Macondo Guesthouse unter. Besitzer Shaun aus Australien ist einfach super nett und eine wahre Quelle für alles Coole, was man machen kann. Und man kann viel machen!! Die einzige Aufgabe ist es, aus all den Angeboten auszuwählen. Außerdem hatte Shaun eine kleine Babykatze, die super süß ist und mich am meisten von allen mochte. So sehr, dass mir Shaun anbot, sie mitzunehmen, aber was soll ich mit einer kleinen Babykatze in Ecuador?

Nun gut, den ersten Nachmittag war ich im Nature Park von San Gil, wo es die Bäume mit den Vorhängen (aka Spanisches Moos) gibt. Hier nennt man sie die bärtigen Baeume. Der Park war super schön – nicht nur das Einchhörnchen – und einfach gut zum relaxen. Abends war ich Spagehtti essen und war dann schon früh im Bett. Die 30 Stunden Reise von Venezuela steckten mir wohl noch in den Knochen.

Am nächsten Morgen war ich im Markt frühstücken und hab diesen unglaublichen Obstsalat gegessen, der so groß war und fast nichts gekostet hat. Abends hab ich gekocht und ein australisches Pärchen kennengelernt. Sie ist mit Shaun zur Schule gegangen. Vielleicht weil ein reisender Freund dabei war, hatte ich das Gefühl, dass Shaun viel mehr ein Traveller als der Besitzer war. Außerdem hab ich noch ein paar Stunden mit „meiner“ Katze geschmust.

Auftritt Team Australish. Das waren zwei irische und ein australisches Mädchen. Die drei waren doch das verrückteste Gespann seit … ja, ich glaub nicht einmal, dass es schon einmal so verrückte Menschen gegeben hat. Jedenfalls super nett, super laut, super verrückt, einfach super.

An diesem Abend habe ich Poker gespielt. Ja, selbst im fernen Borneo, ach ne, Kolumbien spielen sie Poker. Dabei habe ich 10.000 Pesos verloren! Ja, eine ganze Menge, in Euros allerdings nur 3,3 … Also erträglich für einen netten Abend. Gewonnen hat ein Amerikaner, ganz überraschend, denn eigentlich hatte eine Irin geführt. Aber dann ist ihr langweilig geworden, was ich nur zu gut verstehen konnte. Ich find das Spiel auch langweilig.

Am nächsten Tag ging es zu den Wasserfaellen, natürlich mit Team Australish. Was soll ich sagen? Verrückte ziehen mich an. Der Weg war ein Abenteuer. Wir mussten Flüsse überqueren, über Felsen klettern und dann der coolste Part: Es war ein Seil über einen Fluss gespannt und man musste sich an diesem langhangeln und dann musste man mit einem anderen Seil einen Berg hoch. Aufregend! Der Wasserfall war cool! 180 Meter kaltes Wasser. Natürlich waren wir schwimmen. Natürlich haben wir Frostbeulen bekommen … Na gut, fast.

Abends waren wir dann chinesisch essen und ich denke, dass es eigentlich ganz gut war, nur hatte ich leider das einzig vegetarische Gericht auf der Karte (gebratenen Reis), während alle anderen so leckeres Hühnchen Curry hatten. Ihr Essen sah viel besser aus als meins.

Am nächsten Tag beschlossen wir, Paragliding zu machen. Es ist viel weniger aufregend als man denkt. Man sitzt schließlich einfach nur in der Luft, aber ich war so nervös! Mein Guide hat alles gemacht und ich hab da einfach nur so gesessen. Wir hatten ein paar Probleme am Anfang, weil der Wind so heftig am Schirm gezogen hat, bevor ich richtig festgeschnallt war, aber als die anderen uns los gelassen haben, sind wir ohne Anlauf abgehoben. Sehr cool die Winde hier. Man hätte Fotos machen können, aber irgendwie konnte ich meine Finger nicht so ganz von den Leinen lösen und verzichtete daher drauf. Es war jedenfalls schon eine coole Erfahrung.

Abends habe ich mit Shaun, seinen Freunden, einem Berliner und einem Libanesen gekocht und Gott sei Dank konnte die Australierin richtig gut kochen.

Und jetzt kommt das absolute Highlight!! Passt auf! Am nächsten Tag ging es zum Rafting!!! Yeah!

Eigentlich wollte ich für meinen ersten Fluss ja die Stufe 2+ nehmen, aber alle haben 4+ gemacht, also wollte ich auch. 4+ bedeutet, Stromschnellen der Stufen 4 und 5. 5 ist die höchste noch zu befahrende Stufe. 6 ist die allerhöchste, aber es ist zu gefährlich hier noch zu fahren.

Wir waren mit 13 Leuten da, also fuhren wir mit 3 Booten. Um uns herum immer das Safety Kayak, das Leute aus dem Wasser holt. Oder aber in ruhigen Momenten auch mit voller Wucht gegen die Boote fährt, um die Leute im Wasser landen zu sehen. Danke, Henry! Der Guide meines Bootes hieß William und meiner Meinung war er der Beste, denn aus unserem Boot ist niemand rausgefallen.

Wir wurden also instruiert und dann ging es in den Fluss. Schon die erste Stromschnelle machte so viel Spass. Und ich konnte nur denken: Ja, du Wassermädchen, du bist Zuhause!! Wer will schon in den Lüften rumhängen, wenn er auch im Wasser sein kann? Und es wurde immer besser, mit zunehmenden Schwierigkeitsgrad. Mir ist mehrfach das Wasser ins Gesicht geklatscht. Ganze Flüsse habe ich geschluckt, aber es war so ein Spass!!

Nach einem kleinen Lunch ging es weiter. Ein paar Mal dachte ich, jetzt kippen wir um, aber nie ist was passiert. Allerdings nur bei uns nicht. Das zweite Boot verlor eine Frau in einer besonders wilden Stromschnelle und das dritte Boot ist sogar ganz umgekippt. Vier Leute sind dann wild im Fluss rumgetrieben und zwei von denen hat William gerettet und sie waren dann in unserem Boot. Die anderen beiden wurden von ihrem eigenen Boot gerettet. Und während der ganzen Aktion waren wir noch in den Schnellen und William hat Anweisungen gegeben: Forward, Right back, Inside! Und währenddessen hat er die beiden in unser Boot gezogen. Aufregend!

An einer ruhigen Stelle sind sie dann wieder in ihr eigenes Boot geklettert und wir haben unsere Reise fortgesetzt. Zweieinhalb Stunden können echt schnell vorbei sein! Wir alle, die Rausgefallenen eingeschlossen, wünschten uns noch weitere zwei Stunden.

Am nächsten Tag musste ich dann San Gil verlassen. Ach ja, es war echt schwer, meine drei verrueckten Freundinnen vom Team Australish zurückzulassen.

Ich bin dann für einen Tag in Bogota gewesen, bevor ich nach Popayan fuhr. Leider sagte mir der Busfahrer nicht rechtzeitig Bescheid und so landete ich in Pasto. Das Schicksal will wohl, dass ich Kolumbien jetzt verlassen. Vielleicht ist das auch ganz gut, so habe ich dann noch jede Menge Orte, wenn ich wieder komme – eines Tages.

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