Vom Norden in den Osten

15. Juli 2018

A Discovery of witches von Debora Harkness

Blue Lily, Lily Blue von Maggie Stiefvater

Zum wiederholten Male Outlander.

Die letzten Tage in Perth hatte es ja sehr viel geregnet und es war auch echt kalt, weswegen ich sooooo froh war, dass ich ganz in den Norden geflogen bin, zum Top End. Kurz vor Mitternacht kam ich in Darwin an und der nette Hotelconcierge hatte für mich einen Late Check-in arrangiert, obwohl sie eigentlich nur bis zehn Uhr abends einchecken.

Darwin

Aufgewacht bin ich dann zu strahlend blauem Himmel, Sonnenschein und über dreißig Grad. Endlich wurde mir mal wieder richtig warm! Mein Bild von Australien wurde wirklich nachhaltig gestört, weil es nicht immer heiß ist. Eine Schande.

Am ersten Tag bin ich durch die Stadt gelaufen, habe mich in das grandiose türkise Wasser verliebt (mal wieder) und habe eine Tour zum Kakadu Nationalpark gebucht, dem Must-see im Top End.

Der nächste Tag war dann vollgepackt, denn ich war in der Crocosaurus Cove, einem Krokodil-Park mitten in der Stadt. Es ist schon ein wenig surreal zu wissen, dass diese riesigen Tiere im zweiten Stock des Nachbarhauses untergebracht sind. Aber es war schon ziemlich cool, muss ich zugeben. Unter anderem gibt es dort Burt, der im Original Crocodile Dundee mitgespielt hat. Burt ist ein alter Charmeur und frisst immer seine Partnerinnen, weswegen beschlossen wurde, dass er für den Rest seines Lebens Junggeselle bleibt. Neben den Krokos gibt es auch noch andere Reptilien hier, Schlangen, Eidechsen und so was. Man kann bei der Fütterung zusehen und darf kleine Krokos auch selbst mit einer Art Angel füttern. Was ich nicht wusste, ist, dass Krokodile nicht viel fressen. Ein Huhn pro Woche etwa. Im Grunde muss man also gar keine Angst haben, sondern einfach immer ein Huhn dabei haben.

Ich hab ein Babykrokodil gestreichelt, eine Schlange namens Mathilda auf dem Arm gehabt und eine kleine Eidechse namens Sammy. Das war auf jeden Fall besonders.

Dann bin ich mit dem Hop on/Hop off-Bus gefahren, ohne jemals auszusteigen. Hätte ich mich vorher mit Darwin mehr beschäftigt, hätte ich noch ein paar Sachen mehr angesehen, zum Beispiel den Royal Flying Doctors Service, so bin ich nur dran vorbei gefahren. Donnerstags Abend ist am Mindil Beach der berühmte Sunset Market. Man kauft sich was zu essen an einer Vielzahl an Ständen. Es gibt quasi alles. Griechisch, Italienisch, Vietnamesisch, Chinesisch, Burger, Beef Jerky … Die Qual der Wahl fällt schwer. Ich hatte gebackene Austern als Vorspeise und einen Gyros-Wrap als Hauptspeise, was beides sehr lecker war. Dann nimmt man sein Essen, setzt sich an den Strand und schaut dem Sonnenuntergang zu. Gibt es was besseres? Ich glaube nicht.

An meinem dritten Tag in Darwin ging es dann in den Kakadu Park, der den Aborigines gehört, ebenso wie das benachbarte Arnhem Land. Die Tour fing aufregend für mich an, denn ich habe mich spontan entschieden, einen Rundflug über den Park zu machen, weil man leider in einer Tagestour nicht so viel sieht. Es war wirklich eine tolle Erfahrung, aber ich war auch glücklich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Man muss schon Vertrauen haben, in so eine kleine, achtsitzige Maschine zu steigen (und man muss auch erst mal reinkommen). Ich saß auf dem Co-Pilotensitz und hatte daher beste Sicht, musste dafür aber auch klettern, weil es anders als im Passagierraum keine Leiter gibt. Aber irgendwie hat es ja geklappt und der Ausblick war einfach fantastisch.

Ich war schon so fasziniert von den Wetlands in Brasilien und sie hier von oben zu sehen, war spektakulär. Im letzten Jahr sind hier im Park Funde gemacht worden, die belegen, dass die Aboriginies schon seit 65.000 Jahren in der Gegend leben, damit sind sie die älteste Volksgruppe, die durchgehend existiert hat.

Nach dem Flug ging es auf eine Flussfahrt durch die Wetlands. Ich hätte da noch ewig bleiben können, leider war es nach neunzig Minuten vorbei. Aber wir haben Krokos gesehen, einen Seeadler, jede Menge andere Vögel, und auch ein Wallaby, das durch die Marsch gehüpft ist. Das war schon sehr cool.

Zum Abschluss der Tour ging es noch zu einer Felsmalerei-Stätte der Aborigines. Die Kunst ist hier weiter fortgeschritten, als an anderen Orten in Australien, weswegen man davon ausgeht, dass sie das Malen als Freizeitbeschäftigung zelebriert haben und so besondere Fertigkeiten erworben haben. Es war auf jeden Fall ein echt schöner Tag.

Cairns

Dann bin ich nach Cairns geflogen, um endlich am Great Barrier Reef zu schnorcheln. Nicht, dass ich nicht schon so viel geschnorchelt wäre, das mir beinahe Schwimmhäute wachsen. Ach was. Man kann davon nicht genug bekommen. Leider war es relativ windig, weswegen mir geraten wurde, eine Tour zum Pontoon zu machen, weil dieses stabiler im Wasser liegen würde und man dadurch mehr Spaß beim Schnorcheln hat. Leider war das überhaupt nicht meins. Die Tour war viel zu teuer für das, was man geboten bekommen hat, vor allem, wenn ich das mit den beiden großartigen Schnorcheltrips in Port Douglas vergleiche, die ich später gemacht habe. Und es waren auch einfach zu viele Leute. Wir hatten gerade mal zweieinhalb Stunden am Riff und in dieser Zeit sollte man schnorcheln, mit dem Glasbodenboot fahren, Tauchen ausprobieren, das Unterwasserobservatorium besuchen und zu Mittag essen. Ich hab das Mittagessen ausfallen lassen und bin sofort ins Wasser gegangen, was sehr gut war, denn so hatte ich das Wasser für mich alleine, weil alle anderen aßen. Das Riff war schön, aber auch nicht atemberaubend. Memo an mich selbst: Keine Pontoons mehr.

Port Douglas

Dann bin ich ein Stück in den Norden gefahren, nach Port Douglas, kleiner und schicker als Cairns, aber auch sehr, sehr schön. Ich hatte gelesen, dass man am Besten am Opan Reef und am Agincourt Reef schnorcheln kann, daher habe ich zwei Touren gebucht.

Am ersten Tag ging es mit Wavelength Reef Cruises zum Opal Riff. Es waren eine reine Schnorcheltour, was ich am liebsten mag, weil man dann nicht zu Spots fährt, die eher zum Tauchen geeignet sind.

Drei Stops, jeweils eine Stunde. Es war einfach großartig. Direkt am ersten Spot ist eine Schildkröte unter mir hergeschwommen, damit war der Tag schon mal ein Highlight. Seit der Unterwasserfotograf dieses tolle Bild von einer Schildkröte am Ningaloo Reef gemacht hat, habe ich mir gewünscht, eine Schuldkröte auch mal so nah zu sehen und zu fotografieren. Weil, es ist irgendwie was anderes, wenn man selbst das Foto macht. Man ist einfach näher dran.

Die Korallen waren so wunderschön, es gab auch jede Menge Soft Corals direkt unter der Wasseroberfläche. Das sind die Korallen, die in den knalligsten Farben blühen. Oftmals sind sie so tief im Wasser, dass man sie als Schnorchler nicht sieht, nur als Taucher. Aber hier waren sie direkt unter der Oberfläche und so atemberaubend schön.

Nachdem man immer hört, dass das Great Barrier Reef so angegriffen ist, hätte ich nicht erwartet, so tolle Korallen zu sehen. Außerdem haben wir einen Leopardenhai gesehen und einen Bullenrochen (Bull Ray auf Englisch, ob das dann die deutsche Übersetzung ist?). Und natürlich Nemo gefunden. Ganz besonders süß sind auch die Christmastree Worms, die in leuchtenden Farben vorkommen und echt niedlich sind.

Tag zwei habe ich im Daintree Rainforest verbracht. Dieser Regenwald ist zwar der zweitkleinste der Welt, aber auch der älteste. Über 120 Millionen Jahre ist er alt, was unvorstellbar ist. Zunächst ging es mit Downunder Tours zum Daintree River, wo wir mit einem Guide nach Krokodilen gesucht haben. Und sie auch gefunden haben. Es ist schon erschreckend, wo sie überall sind, und auch kein Wunder, dass man an vielen Stellen nicht ins Wasser darf, weil dort Krokos sind.

Danach ging es zum Alexandra Range Lookout, von wo man einen einmaligen Blick über den Regenwald und das anschließende Riff hat. Denn hier liegen zwei UNESCO Welterbestätten direkt beieinander, was einfach cool ist.

Am Cape Tribulation trifft der Regenwald auf den Ozean, und ich muss wirklich sagen, dass es einfach ein so krasser Kontrast ist, auch, wenn es eigentlich keiner ist, denn Regenwald und Riff bedingen einander. Ohne das eine gäbe es das andere nicht.

Im Mossman Gorge haben wir dann von einem Aborigine Guide eine kurze Einführung in das Leben der Ureinwohner bekommen, unter anderem wie sie Seife und Farben herstellen. Im Anschluss hatten wir noch einen kurzen Trip durch den Regenwald, bevor es zurück nach Port Douglas ging.

Meinen dritten Tag habe ich wieder einmal beim Schnorcheln verbracht. Es war ein echt toller Tag, obwohl ich den Minkwal leider nicht gesehen habe, den die anderen entdeckt haben. Wäre cool gewesen. Aber es gab eine Schildkröte und zwei Haie, was will man mehr?

Kuranda

Ich hab noch einmal einen kleinen Stop in Cairns eingelegt, weil ich noch nach Kuranda wollte. Dies ist ein kleines Hippiedorf im Regenwald, was gibt es da nicht zu mögen? Nun ja, das Wetter, aber was kann man auch anderes in einem Regenwald erwarten? Ich wurde von meinem Hotel abgeholt und zum Anfang der Skyrail gebracht, einer Seilbahn, die in neunzig Minuten bis zum Dorf fährt. Es gibt zwei Stopps auf dem Weg. Einmal die berühmten Wasserfälle Barron Falls und dann hält man noch mitten im Regenwald an. Ich habe ja keine Angst vor Höhe, nur immer Angst vor dem Runterfallen. Das letzte Mal, dass ich in einer Seilbahn saß, war 2006 im argentinischen Bariloche und ich hatte solche Angst, dass ich nicht mehr lebend runterkomme, dass ich heulen wollte. Trotzdem habe ich es wieder getan und ich weiß nicht, ob ich mittlerweile generell angstfreier bin oder ob ich den australischen Erbauern mehr vertraue als den argentinischen, aber es war einfach nur toll über die Gipfel des Regenwaldes zu schweben.

Ein Vorteil des Regens war, dass der Wasserfall auch gut gefüllt war. Ich habe ihn von beiden Seiten gesehen, denn auch mit der Eisenbahn stoppt man hier, dann aber auf der anderen Seite.

Kuranda selbst ist ein süßes Dorf, besonders bekannt für den Handwerkermarkt, auf dem man alles mögliche aus australischer Produktion kaufen kann, z.B. Boomerangs, Didgeridoos (inklusive Kurs), Känguru-Taschen usw. Daneben gibt es auch noch drei kleine „Zoos“. Das erste ist ein Schmetterlingshaus, in dem 1000 bunte Gesellen munter vor sich hin flattern. Soooo spektakulär fand ich es jetzt nicht, auch wenn ich ein Selfie mit Schmetterlingsflügeln gemacht habe …

Dann gibt es noch das Vogelhaus, das ich nicht besucht habe, und das Wildtiergehege. Hier gibt es jede Menge Krokodile, ein paar Wombats und wenige Kängurus, die man füttern darf. Und man kann Fotos mit den Koalas machen, wenn man möchte.

Den Rückweg habe ich mit der Scenic Railway zurückgelegt, einem alten Zug, dessen Waggons teilweise hundert Jahre alt sind. Der Weg ist malerisch, aber leider saß ich zu weit vom Fenster weg (setzt euch auf jeden Fall ans Fenster, sonst seht ihr kaum was). Trotzdem war es beeindruckend, denn diese Eisenbahnstrecke ist echt ein Wunderwerk der Technik. Sie führt an tiefen Schluchten und Abhängen vorbei, muss teilweise Haarnadelkurven überbrücken und führt durch fünfzehn Tunnel. Wie viele Höhenmeter sie überbrücken muss, weiß ich nicht mehr (es wurde wahrscheinlich gesagt), aber es ist wirklich krass, was Menschen ohne moderne Technik alles leisten konnten. Die Pylone der Seilbahn wurden dagegen mit Hubschraubern an Ort und Stelle geflogen.

Ein Besuch in Kuranda lohnt sich auf jeden Fall, aber ich glaube, dass alles einfach besser ist, wenn das Wetter gut ist.

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