Zwischenstopp in Venezuela

26. Januar 2017

Diese Mail habe ich am 31.1.2009 mit dem Titel „Der realexistierende Sozialismus ist nichts für mich“ nach Hause geschickt.

72 Stunden in Venezuela und schon bin ich wieder raus aus der Hölle!

Aber von vorne. Nach meinen Aufenthalt in Santa Marta bin ich nach Venezuela gefahren. Mit einem Direktbus nach Maracaibo. An der Grenze habe ich kein Geld getauscht, weil mir gesagt wurde, dass es in Maracaibo am Busterminal einen besseren Kurs gibt. Etwa 4,5 bis 5 Bolivar für einen Dollar. Aber leider, leider hat der Bus mich nicht am Terminal rausgelassen, sondern auf einer dunklen Straße. Alleine. Also musste ich ein Taxi zu einem Hotel nehmen. Und das Taxi in Dollar zum offiziellen Umrechnungskurs von 2,3 Bolivar für einen Dollar bezahlen. Ja, nun ist alles doppelt so teuer. Die ganze Zeit habe ich keinen Dollar-Schwarzmarkt-Tauscher gefunden und habe so in nur 3 Tagen 200 Euro ausgegeben. Das war mir zu viel.

Außerdem fand ich alle Menschen, mit denen ich wirklich Kontakt hatte, unfreundlich. Nicht die Menschen auf der Straße, die sind ebenso hilfsbereit wie sonstwo, aber in Internetcafés, Taxis, Bussen, Hotels. Vor allem die Männer sind so aggressiv! Sie schreien nur rum, machen ihre Untergebenen nieder und machen sich nicht einmal die Mühe langsam zu sprechen, damit ich sie auch verstehen kann. Stattdessen fangen sie an, einen anzuschreien, wenn man nicht sofort versteht. Bestimmt sind nicht alle so, aber alle, die ich getroffen habe.

Ich bin dann also mit dem Nachtbus von Coro nach Merida gefahren und dann sofort in einen Bus nach San Cristobal (ja, die Städte in Lateinamerika heißen überall gleich). Dort wollte ich an einem Automaten Geld abholen, aber natürlich hat der Automat nicht funktioniert, aber ich brauchte Geld, um die Ausreisegebühr zu bezahlen. Nachdem ich mit einem arroganten Arsch aneinandergeraten bin, habe ich schließlich ein Taxi zu einem anderen Automaten genommen und dann wieder zurück zum Bahnhof.

Dann hab ich einen Bus nach Cucuta genommen, aber der Bus hat nicht an der Grenze gehalten, sondern ist einfach druchgefahren. Da war ich nun illegal in Kolumbien … Also musste ich ein Taxi zurück an die Grenze nehmen. Der Taxifahrer hat mich auf der kolumbianischen Seite rausgeschmissen, weil er mir nicht zuhören wollte, das ich zuerst zur venezolanischen Seite musste, weil ich ja aus Venezuela ausreisen wollte und nicht einreisen. Aber er ist ja ein venezolanischer Mann, warum also einer Frau zuhören? Jedenfalls musste ich dann zu Fuss über die Grenze und bis in die nächste Stadt laufen, weil man direkt an der Grenze nicht ausgestempelt werden kann … Mann, wie ich Venezuela liebe.

Ich hab also noch ein Taxi genommen, nachdem ich mich mit Tränen aus Frust und Müdigkeit – ich war schließlich schon seit 36 Stunden wach – an den Strassenrand gesetzt hatte, und den Taxifahrer gebeten, mich erst zur venezolanischen Migration, dann zur kolumbianischen und dann zu einem Hotel zu fahren.

An der venezolanischen Migration musste ich für 46 Bolivar – wohlgemerkt, zum schlechten Kurs –  in einem Geschäft Briefmarken kaufen, die dann zum offiziellen Büro bringen und dann habe ich endlich den Stempel bekommen.

Die ganze Aktion des Grenzübergangs und zum Hotel fahren hat etwa 2 Stunden gedauert und was musste ich bezahlen? 10 Euro für die ganze Fahrerei und Warterei. Der nette, kolumbianische Taxifahrer hat mich auch noch zu einem Geldwechsler gefahren, damit ich meine Bolivars loswurde. Ich liebe Kolumbien!

 

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